Indien

Zahl der toten Deutschen in Bombay steigt auf vier

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Die Anschlagsserie in der indischen Metropole Bombay hat mindestens vier Deutsche das Leben gekostet. Mehrere Bundesbürger wurden zudem verletzt. Das gaben die indischen Behörden bekannt. Im Jüdischen Zentrum in Bombay kämpfen Spezialkräfte weiter gegen die Terroristen. Mehrere Geiseln sollen dort umgekommen sein.

Bei der Terrorserie in Bombay wurden nach Angaben des indischen Außenministeriums vier Deutsche getötet. Das Ministerium teilte in Neu Delhi mit, unter den insgesamt elf getötetenAusländern seien zudem zwei Australier, ein Spanier, ein Italiener, ein Kanadier, ein Japaner und ein Jordanier. Das indische Innenministerium hatte kurz zuvor von drei getöteten Deutschen gesprochen.

Das einzige bisher identifizierte deutsche Todesopfer ist der Münchner Medienunternehmer Ralph Burkei. Er war bei einem Fluchtversuch aus dem angegriffenen Hotel Taj Mahal abgestürzt und auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben. Der 51-Jährige war ehemaliger Vizepräsident des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München und ehemaliger Schatzmeister der Münchner CSU. Seine Freundin wurde bei den Anschlägen in Bombay schwer verletzt worden.


Das indische Innenministerium teilte mit, es seien 22 Ausländer verletzt worden, darunter drei Deutsche. Ein Österreicher, ein Italiener, fünf Briten, ein Norweger, ein Finne, ein Spanier, ein Kanadier und ein Chinese seien ebenfalls verletzt worden. Außerdem hätten ein Staatsbürger der Philippinen und zwei aus dem Oman Verletzungen erlitten.


Bei der Angriffsserie mutmaßlich muslimischer Terroristen in der westindischen Finanzmetropole wurden nach Angaben der Polizei mindestens 125 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt.


Möglich ist, dass noch Deutsche in den von Terroristen besetzten Hotels in Bombay befinden. Es sei nicht auszuschließen, dass noch weitere Deutsche betroffen seien, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Jens Plötner, in Berlin.

In dem Jüdischen Zentrum in Bombay sind ebenfalls Todesopfer zu beklagen. Sicherheitskräfte stürmten das Gebäude und entdeckten dabei fünf getötete Geiseln. Das teilte ein israelischer Diplomat mit. Der Chef der indischen Spezialeinheit NSG, J.K. Dutt , erklärte, man habe zwei Terroristen "neutralisiert". Außerdem habe man zwei Leichen gefunden, bei denen es sich vermutlich um Geiseln handele. Die Operation in dem Gebäude dauere noch an. Der dritte Stock müsse noch gesichert werden, sagte Dutt.


Vor der Erstürmung des Zentrums hatte die israelische Botschaft mitgeteilt, dort würden zehn bis 20 Israelis festgehalten. Sieben Geiseln waren am Donnerstagabend aus dem Gebäude befreit worden.


Unterdessen beginnt für die Überlebenden der Terrorwelle die Verarbeitung des erlebten. Nach Angaben von Außenamtssprecher Plötner hat das von Deutschland entsandte Team zur psychologischen Betreuung der Opfer die Arbeit aufgenommen. Viele der Hotelgäste benötigten nach ihren Erlebnissen eine professionelle Betreuung.

Plötner sagte weiter, in der Nacht zum Freitag sei die erste Lufthansa-Maschine aus Bombay in Richtung Deutschland gestartet. Man gehe davon aus, dass sich der Flugverkehr zunehmend wieder normalisiere. Damit erübrige sich wahrscheinlich die Entsendung eines Sonderflugzeugs, mit dem Deutsche aus der indischen Finanzmetropole abgeholt werden könnten.

Aus dem Hotel Oberoi Trident waren am Morgen fast 100 Geiseln befreit worden. Darunter befanden sich auch zwei Mitarbeiterinnen des Auswärtigen Amtes (AA) sowie mehrere Lufthansa-Mitarbeiter.

Die AA-Mitarbeiterinnen seien wohlauf und befänden sich in der Obhut des Generalkonsulats, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Berlin.


Bei den sieben Mitarbeitern der Lufthansa, die aus dem Hotel freikamen, handelt es sich nach Angaben der Fluggesellschaft um drei Deutsche, eine Österreicherin und drei Inder. Die Inder seien bei ihren Familien in Bombay. Die Europäer befänden sich in der Obhut der Lufthansa und würden medizinisch und psychologisch betreut. Es gehe ihnen den Umständen entsprechend gut. Sie sollten sobald wie möglich nach Deutschland geflogen werden. Laut Lufthansa sind damit alle Mitarbeiter des Unternehmens in Bombay in Sicherheit

( AP/dpa/AFP/cn )