Symbolfigur der Demokratie

Argentiniens Altpräsident Raúl Alfonsín ist tot

Staatstrauer in Argentinien: Der ehemalige Präsident des Landes, Raúl Alfonsín, ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Er war von 1983 bis 1989 der erste zivile Präsident des Landes, in dem zuvor eine brutale Militärdiktatur geherrscht hatte. Für viele Argentinier gilt Alfonsín als "Ikone der Demokratie".

Foto: AP

Der frühere argentinische Präsident Raúl Alfonsín ist tot. Der 82-Jährige erlag in seinem Haus in Buenos Aires einem Lungenkrebsleiden, wie sein Arzt Alberto Sadler am Dienstagabend mitteilte. Alfonsín habe an Lungenkrebs gelitten, der Metastasen unter anderem in den Knochen gebildet habe. Hinzu sei am Wochenende eine Lungenentzündung gekommen.

Alfonsín war die Symbolfigur der Rückkehr zur Demokratie in dem südamerikanischen Land. 1983 war er der erste zivile Präsident nach sieben Jahren brutaler Militärdiktatur, während denen mindestens 12.000 Menschen verschwunden waren.

Nach der Niederlage im Krieg mit Großbritannien um die Falkland-Inseln setzten die Generäle Wahlen an, die Alfonsín 1983 überzeugend gewann. Seine Präsidentschaft wurde von zwei großen Themen geprägt: Seiner mutigen und raschen Entscheidung, die Anführer der Militärdiktatur vor Gericht zu stellen und der Wirtschaftskrise, die ihn 1989 vorzeitig aus dem Amt scheiden ließ.

„Sie sind ein Symbol der Demokratie“, sagte Präsidentin Cristina Fernandez ihm bei ihrer Amtseinführung 2008. Nach Bekanntwerden seines Todes ordnete Vizepräsident Julio Cobos eine dreitägige Staatstrauer an. Am Mittwoch sollte der Kongress zu einer Gedenkfeier zusammentreten.

Alfonsín ordnete ungeachtet der immer noch starken Position der Streitkräfte schon kurz nach seinem Amtsantritt an, ranghohen Mitgliedern der Militärjunta den Prozess zu machen. Die Verfahren, die in ganz Südamerika ohne Gleichen waren, endeten 1985 mit der Verurteilung und Inhaftierung von fünf Juntamitgliedern, darunter zwei Expräsidenten. Alfonsín setzte auch eine Kommission ein, die die Fälle tausender Verschwundener – zumeist Oppositioneller - aufarbeitete und das brutale Regime der Militärherrscher dokumentierte.

Das Militär versuchte zwischen 1987 und 1988 drei mal den demokratisch gewählten Präsidenten abzusetzen, Alfonsín konnte sich jedoch halten. Auf Druck des Militärs wurde die Strafverfolgung der Angehörigen der Militärdiktatur jedoch schließlich deutlich eingeschränkt. Doch die Immunität für niedere Ränge sollte nicht ewig währen: Im Jahr 2005 wurden die Amnestiegesetze durch den Obersten Gerichtshof endgültig aufgehoben, nachdem das Parlament schon 2003 in gleichem Sinne entschieden hatte. Damit war die Möglichkeit geschaffen, Hunderte von Verfahren gegen die Schergen der früheren Militärjunta wieder aufzunehmen.

Alfonsín blieb bis 1989 an der Macht, als eine verheerende Wirtschaftskrise die Inflation auf bis zu 3.000 Prozent hatte anwachsen lassen. Bei den Präsidenten- und Parlamentswahlen setzte sich der peronistische Kandidat Carlos Menem klar durch.

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