Zypern

Grenzübergang in Nikosia wieder geschlossen

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Die Freude über den ersten Schritt auf dem Weg zu einer Wiedervereinigung Zyperns währte nur kurz: Bereits wenige Stunden nach der Öffnung gesperrten Ledra-Straße in der geteilten Stadt Nikosia wurde die Straße wieder geschlossen. Begründung: Die türkischen Seite habe Absprachen gebrochen.

Ein Sprecher der Regierung, Stefanos Stefanous, bestätigte die Schließung. Er begründete dies damit, dass Polizisten des türkisch-zyprischen Teils unrechtmäßig durch die Straße patrouilliert seien, indem sie die von den UN kontrollierte Pufferzone betreten hätten. Ein solcher Verstoß könne nicht geduldet werden, sagte Stefanou.

Mit der Öffnung der Ledra-Straße gab es erstmals seit 1964 wieder eine direkte Verbindung in der geteilten Altstadt von Nikosia. Griechische und türkische Zyprer sprachen von einem Ereignis mit hoher Symbolkraft.


Behördenvertreter von beiden Seiten zerschnitten am Morgen das Band der Teilung und gaben so den Übergang frei. „Wir haben immer noch einen weiten Weg vor uns“, sagte die Bürgermeisterin von Nikosia, Eleni Mavrou. „Dies ist der erste Schritt. Wir hoffen, dass noch viele folgen werden."


Der Übergang führt durch eine 70 Meter breite Pufferzone, die von UN-Blauhelmen überwacht wird. Wer den Übergang passieren wollte, musste seinen Ausweis zeigen - genauso wie an den fünf weiteren Übergängen, die seit 2003 eingerichtet wurden. Innerhalb weniger Stunden nutzten mehrere hundert Menschen von beiden Seiten die neue Möglichkeit, in den jeweils anderen Teil der Altstadt mit ihren malerischen alten Gassen zu gelangen.

Bewohner auf beiden Seiten der „Grünen Linie“ versammelten sich zu dem großen Ereignis an der Ledra-Straße, die im südlichen, dem griechischen Teil eine von vielen Touristen besuchte Fußgängerzone ist. „Wir hoffen, dass die Öffnung dieser Straße die Chance für die Wiedervereinigung bietet“, sagte Andreas Gregoriou, der wegen der Teilung aus Famagusta im türkischen Norden in den Süden fliehen musste.

Das umgekehrte Schicksal hatte die 61-jährige Adil Kamil zu bewältigen - sie lebte in Paphos an der Südküste und musste in den Norden fliehen. „Wir sind so froh“, sagte Kamil auf Griechisch. „Wir wollen hoffen, dass alle Tore geöffnet werden, so dass wir wie früher leben können.“

Die Einrichtung des Übergangs ist das Ergebnis der jüngsten Verhandlungen zwischen den griechischen und den türkischen Zyprern. Mit der Wahl des neuen zyprischen Präsidenten Dimitris Christofias am 24. Februar kam wieder Bewegung in den Friedensprozess.

Die Teilung von Zypern geht auf die Invasion türkischer Truppen im Norden der Mittelmeerinsel im Jahr 1974 zurück. Die Türkei reagierte damit auf einen von der damaligen griechischen Militärjunta unterstützten Putsch gegen Präsident Makarios. Die Putschisten strebten eine Angliederung von Zypern an Griechenland an. Die Ledra-Straße wurde aber bereits 1964 von britischen Truppen mit Stacheldraht abgeriegelt, nachdem es zu Unruhen zwischen griechischen und türkischen Zyprern gekommen war.

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