Völkermord-Prozess

Für Karadzic ist die Sache der Serben "heilig"

Nach mehrmonatiger Verzögerung wird der Prozess gegen den früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic fortgeführt. Er verteidigt sich gegen die Völkermord-Vorwürfe selbst und argumentiert mit der Würde seines Landes. Er soll für zehntausend Tote und zwei Millionen Vertriebene verantwortlich sein.

Foto: AFP

Vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ist der Prozess gegen den früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic wieder aufgenommen worden.

Nach mehrmonatiger Verzögerung des Prozesses begann er mit der Darlegung seiner Verteidigungsstrategie.

Er werde in den nächsten Tagen und Wochen vor allem die Würde seines kleinen Landes Bosnien-Herzegowina und damit auch sich selbst gegen alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft verteidigen, erklärte der 64-Jährige vor dem UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag.

Der wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagte Karadzic sprach in seiner Eingangserklärung, dass die Sache der Serben „gerecht und heilig“ sei. Sie hätten „500 Jahre gelitten“.

Karadzic soll einer der Hauptverantwortlichen für den gewaltsamen Tod Zehntausender und für die Vertreibung von etwa zwei Millionen Menschen während des Bosnienkrieges von 1992 bis 1995 sein. Vor allem wird ihm das Massaker an etwa 8000 Muslimen in der UN-Schutzzone Srebrenica 1995 zur Last gelegt.

Karadzic betonte, dass er von dem Gerichtshof eine faire Chance verlange, seine weitere Verteidigung zu organisieren und ausreichend vorzubereiten. Zugleich erhob er schwere Vorwürfe gegen bosnische Muslimführer.

Sie hätten die Serben in Bosnien-Herzegowina provoziert und zu deren Ermordung aufgerufen. Angesichts dessen hätten die Westmächte und insbesondere der US-Sonderbeauftragte Richard Holbrooke versagt.

Karadzic will sich selbst verteidigen. Da er den Prozess seit dem Beginn im Oktober boykottierte, entschied das Tribunal, den Briten Richard Harvey zum Pflichtverteidiger zu berufen.

Dagegen legte Karadzic vergeblich Widerspruch ein. Karadzic war im Juli 2008 nach einem 13 Jahre währenden Versteckspiel in Belgrad gefasst worden. Er muss mit einer Verurteilung zu lebenslanger Haft rechnen.

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