UN-Tribunal

Radovan Karadzic erklärt sich für unschuldig

Foto: AFP

Das UN-Tribunal in Den Haag legt dem ehemaligen Serbenführer Radovan Karadzic zahlreiche Verbrechen zur Last, darunter Völkermord. Jetzt erklärt sich Karadzic zum ersten Mal zu den Anklagepunkten – und weist sie alle zurück: Er habe die Verbrechen weder begangen noch irgendjemanden dazu angestiftet.

Radovan Karadzic hat vor Beginn der Hauptverhandlung des internationalen Kriegsverbrechertribunals gegen ihn in allen elf Anklagepunkten auf nicht schuldig plädiert. In einem Schreiben seiner Anwälte an das Gericht erklärte der frühere Anführer der bosnischen Serben, dass er die ihm zur Last gelegten Verbrechen nie geplant, angestachelt, befohlen oder begangen habe.

Das Tribunal wirft dem 64-jährigen Karadzic im Zusammenhang mit Gräueltaten während der Balkan-Kriege in den 1990er Jahren unter anderem Völkermord vor.

Karadzic ging in der 37 Seiten umfassenden Erklärung aufgrund der weitreichenden Vorwürfe nicht auf einzelne Anschuldigungen ein. „Wenn das Gesetz richtig angewendet wird und die Wahrheit über die Ereignisse in Bosnien ans Licht kommt, ist er zuversichtlich, dass die Strafkammer ihn für nicht schuldig befinden wird“, erklärten Karadzics Anwälte.

Im August vergangenen Jahres und dann erneut im März 2009 hatte sich Karadzic geweigert, sich überhaupt zur Schuldfrage zu äußern. Bei einer Anhöhrung wurde Karadzic von Richter Iain Bonomya gefragt, ob er auf schuldig oder nicht-schuldig plädiere. „Im Einklang mit dem, was ich bislang gesagt habe, verweigere ich die Aussage“, antwortete er. Aus formalen Gründen wurde dann jeweils ein Unschuldsbekenntnis zu den Akten genommen.


Dem früheren bosnischen Serbenführer werden insgesamt elf Anklagepunkte zur Last gelegt. Er gilt als Hauptverantwortlicher für das Massaker von Srebrenica, bei dem 1995 fast 8000 bosnische Muslime starben.


Der 63-Jährige war im Juli 2008 nach zwölf Jahren im Untergrund in Belgrad festgenommen worden.

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