Schauprozess

Die Ikonen des Friedens kämpfen für ihre Freundin

Es ist eine bewegende Geste, die an das Schicksal einer berühmten Frau erinnern soll: Sechs Friedensnobelpreisträgerinnen haben sich zusammengeschlossen, um für die Freiheit der siebten zu kämpfen. Der Schauprozess in New York steht im Zeichen von Aung San Suu Kyi, die im Birma unter Hausarrest steht.

Foto: Getty Images, pa/dpa (4)

Sie sind die weiblichen Ikonen des Friedens: Seit der Friedensnobelpreis im Jahr 1901 erstmals Mal vergeben wurde, haben ihn auch zwölf Frauen erhalten. Sieben von ihnen leben heute noch. Sechs von ihnen haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam für den Frieden zu kämpfen – und für die Freiheit der siebten.

Heute findet in New York ein Schauprozess statt, bei dem die „Nobel-Frauen“ die Verbrechen der birmanischen Militärdiktatur gegen Frauen, insbesondere auch gegen die Politikerin Aung San Suu Kyi, anprangern wollen. Die birmanische Politikerin, die 1991 den Friedensnobelpreis erhielt, steht seit 1998 mit Unterbrechungen in Birma unter Hausarrest. Das Datum ist nicht zufällig gewählt: Parallel zum Tribunal tagt ebenfalls in New York die UN-Kommission zur Stellung der Frau.

Beim „Tribunal“ der Nobel-Frauen werden im Proshansky-Auditorium der New Yorker City University zwölf birmanische Aktivistinnen als Zeuginnen der Anklage vor das Publikum treten, um von systematischen Vergewaltigungen, Folter und psychischer Gewalt zu berichten.

Auf der „Richterbank“ sitzen unter anderem die amerikanische Nobelpreisträgerin Jody Williams, der argentinische Architekt Adolfo Perez Esquivel (Friedensnobelpreis 1980) und auch eine echte Juristin – die iranische Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi. Die Veranstaltung, für die im Vorfeld auch die Hollywood-Schauspielerin Mia Farrow geworben hatte, wird live im Internet übertragen.

Die „Nobelfrauen-Initiative“ wurde im Januar 2006 gestartet. „Unser Ziel ist nicht, eigene Projekte zu gründen, sondern wir wollen auf die Arbeit der Frauen vor Ort aufmerksam machen“, sagt einer der Initiatorinnen, Jody Williams, im Gespräch mit Morgenpost Online.

Die Nobel-Frauen treffen sich alle zwei Jahre zu einer Konferenz, die jeweils eine von ihnen ausrichtet. 2009 kamen sie auf Einladung von Rigoberta Menchú Tum (Friedensnobelpreis 1992) nach Guatemala. 2011 wollen sie sich in Kenia treffen, dem Land der ersten afrikanischen Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai.

Die Idee zum „Birma-Tribunal“ sei während einer von der Initiative organisierten Reise entstanden, bei der sie mit Frauen sowohl an die thailändisch-birmanische Grenze als auch an die zwischen dem Sudan und dem Tschad gereist sei, erzählt die Amerikanerin Williams, die 1997 als Sprecherin der „Internationalen Kampagne für das Verbot von Landminen“ den Friedensnobelpreis erhielt.

„Wir wollten klar machen, dass ein Zusammenhang besteht zwischen dem Krieg in Birma und der Lage in Darfur – etwa, dass beide Regime von China unterstützt werden oder dass Vergewaltigung als Kriegstaktik gegen Frauen eingesetzt wird.“

Die Situation von Aung San Suu Kiy habe sie und die anderen Friedennobelpreisträgerinnen immer wieder beschäftigt, „zumal das öffentliche Interesse an Birma auch wieder stark abgenommen hat.“

Jody Williams hat Aung San Suu Kiy selbst einmal getroffen. Im Februar 2003 reiste sie mit einer Kollegin mit Touristenvisum über die thailändische Grenze nach Birma ein: „Der Himmel weiß, warum uns das Computersystem beim Übertritt der Grenze nicht aussortierte.“

Weil Aung San Suu Kiy damals nicht inhaftiert war, konnten die beiden Amerikanerinnern sie in ihrem Haus besuchen. „Sie ist eine starke, entschlossene Frau, die weiß, warum sie die Entscheidungen traf, die sie soviel gekostet haben“, schildert Williams ihre Eindrücke von der Begegnung.

Zurück aus Birma, bat Williams die anderen Friedensnobelpreisträgerinnen darum, Briefe an Aung San Suu Kiy zu schreiben, die sie über eine Kontaktperson an diese weiterleitete. Drei Monate nach dem Besuch wurde die birmanische Politikerin wegen „Subversion“ wieder einmal in Arrest genommen.

Jody Williams macht sich keine Illusionen darüber, dass das Tribunal zu einer baldigen Freilassung Aung San Suu Kiy führen wird. „Ich denke, sie werden sie irgendwann gehen lassen, aber wahrscheinlich nicht vor den Wahlen“, sagt Williams.

Gleichzeitig weiß die US-Aktivistin, dass die Zeit knapp wird. Die Gesundheit der 64-jährigen Aung San Suu Kiy gilt als fragil. Im vergangenen Jahr kursierten Berichte, sie sei schwer erkrankt, eine ärztliche Behandlung werde ihr aber verweigert. Jody Williams glaubt, dass dies zum Kalkül der birmanischen Junta gehört: „Sie hoffen wohl, dass sie im Gefängnis sterben wird“.

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