Diplomatie

Annäherung zwischen Türken und Armeniern

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Die Türkei und Armenien haben sich jetzt auf einen Fahrplan zur Normalisierung ihrer Beziehungen geeinigt. In Gesprächen unter Vermittlung der Schweiz hätten beide Länder einen Rahmen abgesteckt, wie ihre bilateralen Beziehungen normalisiert werden könnten.

Die Türkei und Armenien haben vereinbart, ihren jahrhundertealten Konflikt zu überwinden und ihre Beziehungen zu normalisieren. Die Regierungen wollten eine beiderseits befriedigende Lösung herbeiführen, teilte das türkische Außenministerium mit. Erzielt wurde dieses Ergebnis mit Vermittlung der Schweiz.

Zu der Rahmenvereinbarung gehört nach Darstellung der Regierung in Ankara eine „Road Map“ für „die Entwicklung gutnachbarlicher Beziehungen in gegenseitigem Respekt und die Förderung von Frieden, Sicherheit und Stabilität in der gesamten Region.“ Bei den bisherigen Gesprächen seien erhebliche Fortschritte erzielt worden. Von Seiten der armenischen Regierung gab es zunächst keine Stellungnahme.

In Washington begrüßte ein Sprecher des Außenministeriums die Vereinbarung. Eine Normalisierung der Beziehungen sollte ohne Vorbedingungen und innerhalb eines vernünftigen Zeitrahmens erfolgen, sagte Robert Wood. Die USA seien bereit, beide Regierungen in diesem Prozess zu unterstützen.


Die Türkei will, dass die weiteren Gespräche mit Armenien parallel zu Verhandlungen zwischen Armenien und Aserbaidschan über die Zukunft des umstrittenen Gebiets Bergkarabach stattfinden. Die türkische Regierung unterstützt die aserbaidschanischen Ansprüche auf die Region, die innerhalb von Aserbaidschan liegt, aber einen hohen armenischen Bevölkerungsanteil hat.

Die Wurzeln des Konflikts zwischen der Türkei und Armenien liegen im frühen 20. Jahrhunderts. In der Endphase des Ersten Weltkriegs wurden zahllose Armenier im damaligen Osmanischen Reich vertrieben und getötet. Nach armenischer Darstellung verloren 1,5 Millionen Menschen ihr Leben im ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts. Die Türkei betrachtet die historischen Ereignisse hingegen als Unruhen vor dem Hintergrund der Auflösung des Osmanischen Reichs.

Die Bewertung der Massaker an den Armeniern ist bis heute immer wieder Anlass für diplomatische Spannungen. Erst jüngst berief die Türkei ihren Botschafter aus Kanada zurück und protestierte damit gegen eine Konferenz, die von einem Völkermord an den Armeniern sprach. Auch im US-Kongress wurde eine Resolution eingebracht, die das Geschehen als Völkermord bezeichnet.

Bei seinem Besuch in Ankara vermied US-Präsident Barack Obama Anfang dieses Monats den umstrittenen Begriff. Ebenso wie die Europäische Union rief er die Türkei und Armenien dazu auf, ihren Konflikt beizulegen.

Die beiden Staaten haben keine diplomatischen Beziehungen. Die Bemühungen um eine Überwindung der Spannungen setzten im September vergangenen Jahres ein, als der türkische Präsident Abdullah Gül zum WM-Qualifikationsspiel der armenischen Fußballnationalmannschaft gegen die Türkei nach Eriwan flog.

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