Großbritannien

Arbeitsminister geht und fordert Browns Rückzug

| Lesedauer: 2 Minuten

Foto: AP

Was für eine Ohrfeige für den britischen Regierungschef: Nicht nur, dass er innerhalb weniger Tage zum dritten Mal ein Kabinettsmitglied verliert. Arbeitsminister Purnell verbindet mit seinem Rücktritt auch die klare Aufforderung an Brown, seinen Hut zu nehmen. Der will jetzt ganz schnell das Kabinett umbilden.

Der britische Regierungschef Gordon Brown gerät immer mehr unter Druck. Mit Schließung der Urnen für die EU- und Kommunalwahlen erklärte am Donnerstagabend Arbeitsminister James Purnell seinen Rücktritt und forderte zugleich den Premierminister zum Amtsverzicht auf. Er ist bereits das dritte Kabinettsmitglied innerhalb weniger Tage, das seinen Rücktritt erklärt. Als Reaktion darauf will Brown nach Angaben seines Büros noch am Freitag das Kabinett umbilden.

Purnell schrieb in einem offenen Brief, der von den Zeitungen „Times“ und „Sun“ veröffentlicht wurde, dass es für Großbritannien „desaströs“ wäre, sollte Brown weiterregieren. Brown solle zur Seite treten, um seiner Labour-Partei eine „echte Chance“ im Kampf gegen die Konservativen von Oppositionsführer David Cameron zu geben. Mit dem Amtsinhaber an der Spitze könne Labour bei den nächsten Wahlen nur verlieren, erklärte Purnell.

Er gilt als einer der künftigen Stars der kriselnden Labour-Partei und als möglicher künftiger Parteichef. Allerdings betonte der Arbeitsminister in seinem Brief: „Ich strebe nicht die Führung an.

Das Papier Purnells wurde nahezu zeitgleich mit der Schließung der Wahllokale veröffentlicht. Wie auch in den Niederlanden fanden in Großbritannien bereits am Donnerstag die Wahlen zum Europaparlament statt. Zeitgleich gab es Kommunalwahlen.

Für beide Abstimmungen waren Browns Labour-Partei verheerende Niederlagen prophezeit worden: Umfragen sagten nur 17 Prozent für die Regierungspartei voraus - das wäre der dritte Rang hinter den beiden Oppositionsparteien, den konservativen Tories und den Liberaldemokraten.

Medienberichten zufolge will Brown in den kommenden Tagen sein Kabinett umbilden. In einer ersten Reaktion auf Purnells Rücktritt zeigte sich der Regierungschef am späten Abend „enttäuscht“. Der Premier werde sich nun auf die „Umstrukturierung der Regierung“ konzentrieren, kündigte ein Sprecher an.

So wolle der Regierungschef den anstehenden Herausforderungen gerecht werden. Brown musste wegen des Spesenskandals, der derzeit das Königreich erschüttert, in den vergangenen Tagen bereits den Rücktritt von zwei Ministerinnen verkraften.

Oppositionsführer Cameron forderte erneut sofortige Neuwahlen. „Die Regierung bricht vor unseren Augen auseinander“, erklärte der Chef der Konservativen.

( AFP/cn )