Afghanistan

Isaf geht von bis zu 36.000 Taliban-Kämpfern aus

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Foto: AFP

Nach Einschätzung der Internationalen Schutztruppe Isaf können die Taliban in Afghanistan auf 25.000 bis 36.000 Kämpfer zählen. Davon seien nur 900 Befehlsgeber, sagte der Chef der Abteilung zur Reintegration von Taliban im Isaf- Hauptquartier in Kabul. Die Isaf will abtrünnigen Kämpfern beim Neustart helfen.

Die Internationale Schutztruppe Isaf will nach eigenen Angaben das Taliban-Aussteigerprogramm der afghanischen Regierung massiv unterstützen und schätzt die Stärke des Gegners auf 25.000 bis 36.000 Kämpfer und 900 Kommandeure ein. Die Isaf-Truppen sind nach eigenen Angaben 85.795 Mann stark.

In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte der Chef der Abteilung zur Reintegration von Taliban-Kämpfern im Isaf- Hauptquartier in Kabul, Generalmajor Richard Barrons, das geplante afghanische Programm sei ein wichtiger Beitrag in der neuen Gesamtstrategie zur Stabilisierung des Landes. Nach seiner Aussage werden die Radikalislamisten nur von zehn Prozent der Bevölkerung unterstützt. Nach acht, neun Jahren des Krieges sei zudem eine „Kampfmüdigkeit“ zu erkennen.

Viele Programme mit ähnlichen Zielen seien in den vergangenen Jahren gescheitert, erklärte der Generalmajor. In vielen Fällen ging es bei den Maßnahmen um Waffenabgabe oder die Förderung einzelner Individuen, die schlecht umgesetzt und missbraucht worden seien.

„Wenn ein Taliban-Kämpfer im Winter reintegriert ist und im Frühling wieder zu den Waffen greift, ist das keine gute Idee“, sagte der Generalmajor. Das neue Reintegration-Programm sei fundamental anders, weil es auf „die Gemeinden und ihre Söhne“ fokussiert sei. „80 Prozent der Taliban-Kämpfer leben 20 Meilen von ihrem Dorf entfernt. Ihnen soll wieder die Chance gegeben werden, in die Gemeinschaft zurückzukehren.“

Gemeinsam mit den Dorfältesten solle sichergestellt werden, dass Rückkehrwillige eine Garantie haben, weder von afghanischen oder Isaf-Kräften Benachteiligungen befürchten zu müssen. Zudem müssten sie sich vor Racheakten der Taliban sicher fühlen können, sagte Barron weiter. Ihnen werde dafür Zugang zu Bildungsmaßnahmen und Jobs durch neue oder bestehende Entwicklungsprogramme und Industrieprojekten gegeben.

Bei der Großoffensive gegen die Taliban in der südafghanischen Provinz Helmand kamen in der Nacht zum Freitag sechs weitere Soldaten der Internationalen Schutztruppe Isaf ums Leben. Wie Isaf mitteilte, starben drei Soldaten bei Feuergefechten während der Operation „Muschtarak“. Drei weitere seien bei der Explosion von Sprengsätzen getötet worden. Die Isaf machte keine Angaben zur Nationalität der Toten. Seit Beginn der Offensive vor knapp einer Woche starben mindestens zwölf ausländische Soldaten.

( dpa/ks )

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