Hinter den Kulissen

So entmachtete die Bundesbank Thilo Sarrazin

Die Bundesbank hat mit der Teil-Entmachtung des Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin auf dessen Äußerungen zu Ausländern reagiert. Der umstrittene Banker verliert die Zuständigkeit für das Bargeld-Ressort. Morgenpost Online erfuhr, was sich hinter den Kulissen der Bundesbank abspielte.

Die Deutsche Bundesbank hat ihr umstrittenes Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin von einem seiner drei Zuständigkeitsbereiche entbunden. Auf seiner Sitzung in Frankfurt beschloss der Vorstand der Notenbank, dass Sarrazin ab sofort nicht mehr für den Bereich Bargeld verantwortlich ist. Dieses Ressort übernimmt nun zusätzlich sein Vorstandskollege Hans-Georg Fabritius. Alle anderen Bereiche bleiben von den Änderungen unberührt.

Sarrazin steht wegen eines Interviews in der Zeitschrift „Lettre International“ in der Kritik, in dem er sich abfällig über in Berlin lebende Türken und Araber geäußert hatte. Die Bundesbank hatte sich in scharfer Form von dem Interview distanziert, ihr Präsident Axel Weber forderte Sarrazin indirekt zum Rücktritt auf. Sarrazin entschuldigte sich zwar für seine Äußerungen, schloss einen Rücktritt aber aus.


Mit dem Entzug des Bargeld-Ressorts verliert der ehemalige SPD-Politiker zwar den wichtigsten seiner drei Aufgabenbereiche, bleibt aber für Informationstechnologie und Risiko-Controlling verantwortlich. Sarrazin behält somit mehr Bereiche, als im Vorfeld der Sitzung angenommen wurde. In der vergangenen Woche kursierte in den Medien eine Vorstandsvorlage, in der es hieß, Weber wolle Sarrazin alle Aufgabenbereiche mit Ausnahme der IT entziehen. Die Bundesbank hatte dies nicht kommentiert.

Vor der Sitzung sollen Sarrazin und Weber länger unter vier Augen zusammen gesessen haben, berichten Bundesbankkreise. Die Stimmung soll während des Vorstandstreffens ruhig und ernsthaft gewesen sein. Sarrazins Vorstandsmitglieder hätten das Interview erneut kritisiert, heißt es aus den Kreisen. Sarrazin habe auf unglückliche Formulierungen, aber auch auf die grundsätzliche Richtigkeit seiner Aussagen verwiesen und bekräftigt, dass er nicht zurücktreten wolle. Das Votum, ihm den Bereich Bargeld zu entziehen, sei gegen die Stimme von Sarrazin erfolgt.

Dass der Ex-Senator nun weniger Bereiche entzogen bekommt als im Vorfeld spekuliert und den Bereich Risiko-Controlling behalten darf, lässt Raum für Spekulationen. Im Vorfeld der Sitzung hieß es, nicht alle Vorstände hätten voll hinter den Plänen Webers gestanden. Gerüchten zufolge wollten die Bundesbank-Vorstände die Entmachtung nicht komplett verhindern, weil das einen zu großen Gesichtsverlust für Weber bedeutet hätte.

Sarrazin wollte sich nicht zu der Entscheidung äußern und verwies auf die offizielle Mitteilung Bundesbank. In dieser machte der Vorstand deutlich, dass er einen Schlussstrich unter das Thema ziehen will. „Der Vorstand der Deutschen Bundesbank hat sich heute in einer Aussprache auf die Grundlagen für eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit verständigt. Es gilt jetzt, den Blick nach vorn zu richten und gemeinsam die schwierigen Aufgaben und Herausforderungen zu bewältigen.“

Vor der Bundesbank-Zentrale hatte es am Morgen eine Demonstration gegen geplante Filialschließungen gegeben, bei der sich die Proteste auch gegen Sarrazin persönlich richteten. Allein die Nennung seines Namens sorgte für wütende Zwischenrufe und Pfiffe der rund 1500 Demonstranten.