Nicht geräumte Gehwege

Verkehrsminister Ramsauer hält Berlin für unfähig

Schnee und Eis haben in Berlin zu zahlreichen Unfällen und Verkehrsbehinderungen geführt, viele Gehwege sind seit Wochen nicht geräumt. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ist verärgert: "Genauso wie Berlin viele Jahre mit seiner Rolle als Hauptstadt nicht zurecht kam, hat die Stadt jetzt Probleme mit dem Winter."

Der Ärger über die mangelnde Schnee- und Eisräumung in Berlin zieht immer weiter und immer höher Kreise: Jetzt hat sich auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) dem Chor der Kritiker am Senat und an Hauseigentümern angeschlossen.

Der „Berliner Zeitung“ sagte Ramsauer: „Die spiegelglatten Straßen und Gehwege ärgern mich. Jeder Hauseigentümer hat seine Räum- und Streupflicht. Aber auch der Senat muss handeln. Genauso wie Berlin viele Jahre mit seiner Rolle als Hauptstadt nicht zurecht kam, hat die Stadt jetzt Probleme mit dem Winter.“

Seit Tagen haben die Berliner mit spiegelglatten Gehwegen zu kämpfen. Im Gegensatz zu den Straßen wurden sie nicht geräumt. Ramsauer kündigte an, der Bund werde sich bemühen, Frostschäden auf Autobahnen und Bundesstraßen schnellstmöglich zu reparieren. Es werde derzeit geprüft, wie dies finanziert werden könne.

Auch in zahlreichen anderen Teilen Deutschlands sorgte der Schnee für Behinderungen und machte Lkw- und Autofahrern zu schaffen. Es krachte auf Autobahnen und Landstraßen. Mindestens zwei Menschen wurden schwer verletzt. Auf der Autobahn A27 bei Verden in Niedersachsen zählte die Polizei in weniger als zwei Stunden fünf Unfälle.

Dort verunglückten innerhalb kurzer Zeit vier Lkw, ein Kleintransporter und ein Auto auf schneeglatter Straße. Verletzt wurde niemand, es entstand aber ein Gesamtschaden von geschätzt rund 330.000 Euro. Den größten Teil davon verursachte ein Autotransporter mit Anhänger, der vier Neuwagen geladen hatte. Er kippte auf glatter Straße auf die Mittelleitplanke. Die Neuwagen, die frisch aus der Fabrik kamen, hatten nur noch Schrottwert. Es kam zu kilometerlangen Staus.

Auf der Autobahn 3 in Niederbayern gab es gleich vier schwere Unfälle. Bei Passau kam ein Lastwagen in Fahrtrichtung Österreich ins Schleudern und kippte um. Die Autobahn musste vier Stunden lang komplett gesperrt werden. Es entstand ein Schaden von rund 63.000 Euro. Wegen des Unfalls staute sich der Verkehr auch auf der Gegenfahrbahn. Ein Autofahrer bemerkte den Stau zu spät und fuhr in das Stauende. Er wurde in seinem Wagen eingeklemmt und schwer verletzt. Seine Beifahrerin erlitt leichte Verletzungen. Die Autobahn wurde für drei Stunden gesperrt.

Auch im Münsterland kam es zu Unfällen. Auf der Autobahn 31 bei Coesfeld verlor ein Lastwagenfahrer die Kontrolle über seinen Lkw und überfuhr die Mittelleitplanke. Der Mann blieb unverletzt, es entstand allerdings ein Schaden von 100.000 Euro.

In Hannover ist ein Menschen wegen der anhaltenden Kälte erfroren. Der 57-Jährige sei am Mittwochnachmittag von Passanten auf einer Bank in dem Stadtwald Eilenriede gefunden worden, sagte Insa Becker-Wook vom Diakonischen Werk am Donnerstag in Hannover.

Ein 25-jähriger Autofahrer aus Rheine wurde schwer verletzt, als er in der Nähe von Coesfeld von einer glatten Landstraße abkam und frontal gegen einen Baum prallte. In der Nähe von Bocholt kam eine 37 Jahre alte Frau ebenfalls mit ihrem Wagen von der glatten Straße ab und überschlug sich – sie war noch mit Sommerreifen unterwegs gewesen. Ihr und ihren beiden kleinen Kindern, die ebenfalls im Auto saßen, passierte dabei nichts.

Ganz ungeschoren kam aber auch der Osten nicht davon. In und um Chemnitz gab es nach Angaben der Polizei ebenfalls zahlreiche Unfälle, die aber größtenteils glimpflich mit Blechschäden ausgingen.

Im Gegensatz zu den Autofahrern dürften sich die Schulkinder im Norden jedoch über den vielen Schnee gefreut haben. In einigen Kreisen Schleswig-Holsteins gab es Schneefrei, der Unterricht fiel aus.

Ein Ende des Winters ist vorerst nicht in Sicht. Laut dem Deutschen Wetterdienst steht Deutschland auch in den nächsten Tagen wieder Neuschnee ins Haus.

.