Krise in Griechenland

Die achte Nacht in Folge Randale in Athen

Nach einer weiteren Nacht mit Ausschreitungen rund um die technische Universität ist am Sonntag in Athen wieder Ruhe eingekehrt. Bis in die frühen Morgenstunden hatten Randalierer im Stadtviertel Exarchia, das als Hochburg von Autonomen gilt, mit Brandflaschen und Feuerwerkskörpern geworfen.

In Griechenland sind am Samstag und in der Nacht zum Sonntag erneut mehrere tausend meist junge Leute auf die Straßen gegangen, um gegen den Tod des 15-jährigen Andreas Grigoropoulos vor einer Woche zu protestieren. Die unangemeldeten Demonstrationen waren am Vormittag über das Internet organisiert worden. Diese verliefen weitgehend friedlich. Im Stadtviertel Exarchia dagegen, das als Hochburg der Autonomen gilt, kam es zu mehreren Attacken mit Brandflaschen.

Unbekannte zerstörten am späten Samstagabend die Fassaden von drei Banken, drei Geschäften und warfen mehrere Brandflaschen auf einen Zug von Bereitschaftspolizisten, der vor einem Büro des Umweltministeriums im Zentrum Athens Wache stand. Alle anderen Kundgebungen und Mahnwachen von mehreren tausend Studenten und Schülern verliefen friedlich: „Wir wollen auch heute an unseren Schulfreund erinnern“, sagte ein 16-jähriges Mädchen am zentralen Syntagma-Platz von Athen im Fernsehen. Dort versammelten sich am Vormittag zunächst rund 300 Schüler und setzten sich auf die Fahrbahn der Hauptstraße vor dem Parlamentsgebäude. Sie hielten Blumen in den Händen und schwiegen. In der Folge strömten nach und nach mehrere tausend Menschen ins Zentrum Athens.


Gegen 1 Uhr in der Nacht gingen die Beamten gegen die Teilnehmer an der Mahnwache auf dem zentralen Syntagma-Platz vor, wo sich auch das Parlamentsgebäude befindet. Einige Jugendliche besetzten daraufhin die nahegelegene Technische Universität und bewarfen die Polizei mit Steinen. Die Beamten setzten Tränengas ein.

Im Stadtteil Kypseli versuchten Polizisten das gestörte Verhältnis zu den Bürgern wiederherzustellen. Sie verteilen auf der Straße Blumen and die Passanten, wie das Fernsehen zeigte. Auch in der Hafenstadt Patras und in der zweitgrößten griechischen Stadt Thessaloniki demonstrierten insgesamt rund 4000 Menschen gegen Polizeigewalt. Der 15-Jährige war am vorangegangenen Samstag von einer Kugel aus der Waffe eines Polizisten tödlich getroffen worden.


In der Öffentlichkeit wurde indes immer deutlicher die Frage laut, warum das mit Spannung erwartete offizielle Ergebnis der ballistischen Untersuchung im Falle der Tötung des 15-Jährigen immer noch nicht vorliegt. Nach unbestätigten Medienberichten sollen Experten zu dem Schluss gelangt sein, dass der Junge von einem Querschläger getötet worden sei. Am tödlichen Geschoss seien Rückstände von Außenverputz gefunden worden, berichtete die Athener Zeitung „Kathimerini“ unter Berufung auf gut informierte Kreise in der Staatsanwaltschaft.


Nach dem Tod des Jungen am Samstag vor einer Woche hatten Augenzeugen dem 37 Jahre alten Polizisten, der die Schüsse abgefeuert hatte, Mord vorgeworfen. Der Beamte hatte dagegen ausgesagt, er habe lediglich Warnschüsse abgegeben. Sollte die Kugel an einer Mauer abgeprallt und so zum Querschläger geworden sein, ginge es nach griechischem Recht lediglich um fahrlässige Tötung. Der 37-jährige Polizist sitzt derzeit in Untersuchungshaft und ist wegen Mordes angeklagt. Einem ebenfalls inhaftierten Kollegen wird Beihilfe vorgeworfen.

Aus Polizeikreisen verlautete am Samstag, die Veröffentlichung des Untersuchungsergebnisses werde möglicherweise wegen der Befürchtung hinausgezögert, dass dadurch die Krawalle wieder angefacht werden könnten. Viele Demonstranten seien davon überzeugt, dass der Polizist gezielt geschossen habe, und würden dann womöglich glauben, dass die Untersuchung manipuliert worden sei.

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