Ermittlungen

Totschläger und Revolver in Kurras’ Wohnung

| Lesedauer: 2 Minuten
Sven Felix Kellerhoff

Sicherheitskräfte haben die Wohnung des früheren West-Berliner Polizisten und Stasi-Agenten Karl-Heinz Kurras wegen des Verdachts auf illegalen Waffenbesitz durchsucht. Dabei stellten sie unter anderem eine Schusswaffe sicher, für die der 81-jährige keine Erlaubnis besitzen soll. Damit nicht genug.

Schusswaffen gehören untrennbar zum Leben des Karl-Heinz Kurras. Selbst sein Führungsoffizier bei der Stasi vermerkte kritisch seine „fanatische Begeisterung für Waffen“. Jetzt hat sogar die Berliner Staatsanwaltschaft gegen Kurras ein Ermittlungsverfahren eröffnet – und zwar nicht wegen des Todesschusses auf Benno Ohnesorg, sondern wegen illegalen Waffenbesitzes: Bei einer Hausdurchsuchung gestern beschlagnahmten Polizisten einen Revolver, Kaliber 38, für den Kurras keine waffenrechtliche Erlaubnis hatte. Neben der Schusswaffe wurde auch ein sogenannter Totschläger beschlagnahmt.

Schon als Jugendlicher noch während des Zweiten Weltkrieges hatte Karl-Heinz Kurras leidenschaftlich gern geschossen; er verbrachte sogar einen großen Teil seiner raren Freiheit damit, im örtlichen Schützenverein zu helfen. Im Dezember 1946 brachte die Leidenschaft für Waffen den gerade 19-Jährigen dann um seine Freiheit: Wegen illegalen Waffenbesitzes nahm ihn der KGB fest; das Urteil lautete auf 25 Jahre Zwangsarbeit.

Als er 1950 aus dem sowjetischen Internierungslager Sachsenhausen freikam, bemühte er sich umgehend um eine Stelle bei der einzigen Institution, bei der er seinerzeit legal eine Waffe führen durfte: der Polizei. Als er sich früh Jahre später der DDR-Staatssicherheit andiente, war das Schießen bereits sein wichtigstes, wenn nicht einziges Hobby. Konsequenterweise legte der erste Führungsoffizier von Kurras, Fritz Redlin, als Losung für das Treffen mit einem dem Agenten unbekannten Kontaktmann folgende Worte fest: „Guten Tag, Herr Kurras, ich komme von der Schießabteilung.“

Zwar wurde Karl-Heinz Kurras aus ideologischen Gründne zum Verräter – aber dass die Stasi ihm zeitweise mehr Agentenlohn als sein Monatsgehalt zahlte, kam seiner Schießleidenschaft zugute. Denn Kurras gab nach eigenen Angaben zwischen 300 und 400 Mark pro Monat für Munition aus. Sein Gehalt lag bei 792,50 Mark.

Kurras war stolz darauf, mehrfach Gewinner der Polizeimeisterschaft im Schießen gewesen zu sein. Er ließ sich gern in perfekter Schützenhaltung fotografieren. Und er bat seine Kontaktleute bei der Stasi, ihm „besondere“ Pistolen zu beschaffen – zum Beispiel eine „P.38“ mit Kleinkaliberaufsatz. Als „Prämie für die geleistete Arbeit“ beschaffte das MfS diese Pistole gern.

Gern versteckte Kurras seine Waffen auch in seiner Wohnung. Bald nach dem Todesschuss auf Ohnesorg, übrigens aus einer Dienstwaffe der West-Berliner Polizei, übergab seine ehemalige Verlobte eine polnische Armeepistole und gleich 1460 Schuss Munition aus seinem Besitz an die Staatsanwaltschaft. Er hatte sie in der gemeinsam genuitzten Wohnugn versteckt, nach der Trennung aber nicht mehr abgeholt. Schon damals, im Herbst 1967, leitete die Berliner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen illegalen Waffenbesitzes gegen Karl-Heinz Kurras ein.

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( ddp/AP/str )

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