Glos-Nachfolger

Guttenberg wird neuer Bundeswirtschaftsminister

CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg wird Nachfolger von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos. Als neuer CSU-Generalsekretär ist der Bundestagsabgeordnete Alexander Dobrindt vorgesehen. Glos bat Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits offiziell um seinen Rücktritt.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat Bundeskanzlerin Angela Merkel schriftlich um seine Ablösung gebeten. In dem Brief bitte der CSU-Politiker die Regierungschefin, dass sie seine Entlassung durch Bundespräsident Horst Köhler in die Wege leite, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg wird sein Nachfolger Das bestätigte CSU-Chef Horst Seehofer am Montag dem „Donaukurier“. Seehofer bestätigte zudem nach Angaben des Blattes, dass der CSU-Bundestagsabgeordnete Alexander Dobrindt neuer Generalsekretär wird.

Außerdem habe er entschieden, dass die Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär stellvertretende Generalsekretärin der CSU werde. Damit scheint die tagelange Hängepartie um die von Glos selbst gewünschte Entlassung überwunden.

Am Morgen berieten in München die Spitzengremien der CSU über die Situation. Anschließend wollte Parteichef Horst Seehofer die Entscheidung noch förmlich bekannt geben.


Am Sonntagabend hatte er mit Glos in einem zweistündigen Gespräch die Gründe für den Rückzug erörtert. Während Seehofer noch am Samstag gesagt hatte, er lehne das Rücktrittsangebot von Glos ab, gab er dann am Sonntagabend doch seine Zustimmung.

Der 37-jährige Guttenberg, der sich als Außenpolitiker in der CSU-Landesgruppe im Bundestag einen Namen gemacht hatte, hat in der CSU eine Blitzkarriere hingelegt. Erst vor neun Jahren trat er in die CSU ein, 2002 wurde er bereits in den Bundestag gewählt und rückte sechs Jahre später in die Parteispitze auf. Sein Nachfolger im Parteiamt soll der 38-jährige Bundestagsabgeordnete Alexander Dobrindt aus Weilheim in Oberbayern werden. Er gehört dem Parlament seit 2002 an und ist stellvertretender Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses.

Der Rechts- und Politikwissenschaftler, der mit summa cum laude promovierte, hat aber auch Erfahrungen im wirtschaftlichen Bereich: als geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens Guttenberg GmbH, einem Fachgroßhandel für Trockenbau, Isoliertechnik und Dämmstoffe.

Erfolgreicher Unternehmer aus Bayern

Guttenberg entstammt altem christsozialen Adel. Er ist der Spross eines Geschlechts oberfränkischer Großgrundbesitzer – aus dem gleichnamigen Ort Guttenberg. Guttenbergs Großvater hieß ebenfalls Karl Theodor zu Guttenberg und war auch schon CSU-Politiker. Nur der Vater Enoch wählte einen anderen Weg – er wurde lieber Dirigent.

Im Bundestag sitzt Guttenberg seit 2002. 2007 wurde er Bezirkschef der CSU Oberfranken – wobei er sich gegen Landesgruppen-Geschäftsführer Hartmut Koschyk durchsetzte. Der Nachwuchspolitiker hat ein gutes Verhältnis zum CSU-Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer.


Der stets korrekt gekleidete und frisierte Guttenberg ist verheiratet mit seiner Frau Stephanie und hat zwei Kinder.


Glos galt schon lange als amtsmüde. Sein Rückzugsangebot nur neun Monate vor der Bundestagswahl war aber am Samstag überraschend gekommen. Der 64-Jährige hatte es in einem Brief an Seehofer, der auch veröffentlicht wurde, mit seinem Alter und der fehlenden Bereitschaft begründet, sich für eine weitere Amtszeit nach der Bundestagswahl im September zu bewerben.


Nach dem Gespräch mit Seehofer sagte Glos am Sonntagabend in München, er werde Bundeskanzlerin Merkel am Montag offiziell um seine Entlassung bitten. Es gebe „eine sehr gute Lösung“ für die Nachfolge. Seehofer hatte den Posten zunächst dem Landesgruppenvorsitzenden Peter Ramsauer angeboten, der lehnte allerdings ab.

Schatzmeister als Nachfolger im Gespräch

SPD und Opposition hatten verärgert auf die zähe Diskussion über den Rücktritt des Wirtschaftsministers in Zeiten der Finanzkrise reagiert. "Da muss wieder Ordnung geschaffen werden“, sagte Vizekanzler und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier in einem ARD-Interview. In der derzeitigen Wirtschaftskrise sei es „mehr als unglücklich, dass wir um die Zukunft des Wirtschaftsministers diskutieren“.


"Wir brauchen in Zeiten, in denen Millionen Menschen sich um ihren Arbeitsplatz sorgen, eine handlungsfähige Bundesregierung", erklärte auch FDP-Chef Guido Westerwelle. „Diese Regierung gleicht einem Tollhaus“, meinte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast. "Eine außer Kontrolle geratene bayerische Regionalpartei blockiert das ganze Land und die Kanzlerin schaut macht- und tatenlos zu."