USA

Ehemaliger KZ-Wächter soll abgeschoben werden

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Foto: sm/sv / dpa

Seit mehr als 50 Jahren lebt Paul Henss unbehelligt in den USA. Als er einreiste, verschwieg er den Behörden allerdings, dass er in Konzentrationslagern Dienst tat. Jetzt wird die Abschiebung des 85-Jährigen vorbereitet. Dieser wehrt sich gegen den Vorwurf, Kriegsverbrechen begangen zu haben.

Die US-Ministerien für Justiz und Heimatschutz haben ein Abschiebeverfahren gegen einen ehemaligen KZ-Wächter aus Deutschland eingeleitet. Der 85-jährige deutsche Staatbürger Paul Henss, der derzeit in Lawrenceville im Bundesstaat Georgia lebe, habe in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald Gefangene bewacht und mit Kampfhunden drangsaliert, begründete das Justizministerium in Washington die Einleitung der Verfahrens. Henss habe seine NS-Vergangenheit bei der Einreise in die USA im Jahr 1955 verschwiegen.

Die US-Behörden legen Henss zur Last, in den Konzentrationslagern scharf abgerichtete Kampfhunde zur Kontrolle der Häftlinge eingesetzt zu haben. Die Tiere hätten unter anderem die Flucht von Häftlingen verhindern sollen. Als Angehöriger der SS sei Henss angewiesen gewesen, die Hunde ohne Gnade auf flüchtende Häftlinge zu hetzen. Außerdem sei er als Lagerwächter eingesetzt gewesen und habe Zwangsarbeit beaufsichtigt. Dem Justizministerium zufolge war Henss Mitglied der Eliteeinheit „Leibstandarte SS Adolf Hitler“.

Die Behörde erklärte, Henss habe zugegeben, in den beiden Konzentrationslagern jeweils zwei bis drei Monate eingesetzt worden zu sein. Im Gespräch mit Journalisten sagte Henss am Montag in Lawrenceville, er habe zwar Schäferhunde und Rottweiler ausgebildet, aber keine Kriegsverbrechen begangen. Er lebe seit zehn Jahren in Georgia, sagte Henss.


Der Leiter der für NS-Verbrecher zuständigen „Abteilung für Sonderermittlungen“ (OSI) im US-Justizministerium, Eli S. Rosenbaum, erklärte zu dem Verfahren: „Mit seinem bösartigen Kampfhund stand Paul Henss zwischen den Opfern und der Freiheit.“ Die zuständige Abteilungsleiterin Alice Fisher wertete das Verfahren gegen Henss als Zeichen der Entschlossenheit des Justizministeriums, „die USA nicht zu einem Zufluchtsort für Verbrecher gegen die Menschenrechte“ werden zu lassen.


Seit 1979 hat das OSI nach eigenen Angaben Verfahren gegen 106 Nazi-Täter gewonnen, die in den USA Zuflucht gesucht hatten. Erst kürzlich war infolge von OSI-Ermittlungen dem früheren KZ-Wächter Martin Hartmann wegen Verwicklung in Nazi-Gräueltaten die US-Staatsbürgerschaft entzogen worden. Hartmann wurde nach Deutschland abgeschoben.

( AFP/cn )

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