9. Dezember

Griechische Polizei kapituliert vor den Randalierern

Die Ausschreitungen in Griechenland drohen am dritten Tag völlig zu eskalieren. In der Hauptstadt Athen kommt es zu Plünderungen von Kaufhäusern und Krawallen gegen die Regierung von Kostas Karamanlis. Der Innenminister verteidigt die Zurückhaltung gegenüber den Randalierern: "Menschenleben sind wichtiger als Scherben".

Nach dem Tod eines 15-Jährigen durch einen griechischen Polizisten hat Athen eine dritte Nacht mit Ausschreitungen und Plünderungen erlebt.


Bis in die frühen Morgenstunden lieferten sich hunderte Randalierer am Dienstag Auseinandersetzungen mit der Polizei. Ministerpräsident Kostas Karamanlis sollte am Vormittag mit Staatschef Karolos Papoulias und der Opposition über die Krawalle nach dem Tod des Jugendlichen beraten.


In Athen zogen am Montagabend erneut hunderte junge Randalierer durch die Innenstadt und demolierten Geschäfte. Die Ausschreitungen entwickelten sich im Anschluss an eine Demonstration, zu der linksgerichtete Parteien und Gewerkschaften aufgerufen hatten.


In dem vornehmen Viertel Kolonaki wurden Medienberichten zufolge mehrere Geschäfte geplündert. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Randalierer vor. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums mussten zehn Menschen mit Atembeschwerden im Krankenhaus behandelt werden.


In weiten Teilen des Stadtzentrums herrschte ab 02.30 Uhr Ortszeit relative Ruhe. An der Polytechnischen Schule im Stadtteil Exarchia attackierte eine Gruppe von hundert Jugendlichen die Sicherheitskräfte jedoch auch noch in den Morgenstunden.


Innenminister Prokopis Pavlopoulos reagierte nach einer zweistündigen Krisensitzung des Kabinetts am späten Abend auf Kritik in den Medien, dass die Polizei der Zerstörung und den Plünderungen tatenlos zusehe. "Die Polizei ist anwesend und tut das Notwendige, um Menschenleben und Eigentum zu schützen", sagte der Innenminister.


Der Generalsekretär der konservativen Regierungspartei ND, Lefteris Zagoritis, hatte zuvor erklärt, die Sicherheitskräfte zögen sich zeitweise zurück, um heftige Zusammenstöße zu vermeiden. "Glasscheiben sind wichtig, aber Menschenleben sind noch wichtiger", sagte er dem Fernsehsender NET.

Molotow-Cocktails gegen Polizisten

Auch im Zentrum der nordgriechischen Metropole Thessaloniki wurden am Montagabend rund hundert Geschäfte geplündert.


Die Randalierer zerschlugen Schaufenster und klauten Uhren, Schmuck und Kleidung, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Bei einem Brandanschlag auf eine Polizeiwache wurde ein Beamter verletzt.


Der Polizist sei mit einer Handverletzung ins Krankenhaus gebracht worden, teilte die örtliche Polizei mit. An dem Angriff mit Molotow-Cocktails beteiligten sich demnach etwa 20 Jugendliche.


Dutzende Jugendliche plünderten Geschäfte. Unterdessen nahmen an zwei Protestzügen in Thessaloniki nach Polizeiangaben insgesamt etwa 5000 Menschen teil.


Die Krawalle hatten begonnen, nachdem am Samstagabend in Athen der Jugendliche Alexis Grigoropoulos durch Schüsse der Polizei getötet worden war. Als Zeichen der Trauer sollen am Dienstag Schulen und Universitäten geschlossen bleiben.


Für den den Nachmittag sind erneut Demonstrationen angekündigt, bei denen Schüler und Lehrer auf die Straße gehen wollen. Zwei Polizisten sitzen wegen des Vorfalls in Untersuchungshaft.


In der britischen Hauptstadt London wurden fünf Demonstranten festgenommen, die vor der griechischen Botschaft gegen den Tod des 15-Jährigen protestiert hatten. Vor der Vertretung hatten sich zuvor rund 40 Menschen versammelt, wie ein AFP-Reporter berichtete. Bei Protesten vor der griechischen Botschaft in der zyprischen Hauptstadt Nikosia wurden nach Polizeiangaben zwei Demonstranten verhaftet.

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