Deutschland

Immer mehr Frauen suchen Hilfe bei Zwangsheirat

In Deutschland steigt die Zahl der Frauen und Mädchen, die wegen drohender Zwangsheirat Hilfe suchen. Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes erhielt nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 197 Hilferufe. Das entspreche einer Zunahme um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Organisation forderte am Donnerstag in Tübingen Unterstützung für eine bundesweite Koordinierungsstelle zum Thema Zwangsheirat. Bisher ist das im Dezember vergangenen Jahres gestartete Projekt für ein Jahr finanziert. Die 100 000 Euro stammen je zur Hälfte von der EU und aus Spenden.

"Auch nach Ende der einjährigen Projektlaufzeit werden Frauen und Mädchen weiter um Hilfe bitten, weil ihr Leben in Gefahr ist", sagte Jasmine Olbort von Terre des Femmes. Insgesamt habe ihre Organisation seit dem Jahr 2006 bereits 543 Frauen und Mädchen beraten, die von Zwangsheirat und Gewalt "im Namen der Ehre" bedroht oder betroffen seien. Gegen ein Drittel davon waren zum Zeitpunkt ihres Anrufes bei der Hilfsstelle bereits Morddrohungen ausgesprochen worden. Es müssten mehr Beratungsstellen und mehr anonyme Schutzeinrichtungen geschaffen werden.

Neben der Beratung nannte Terre des Femmes auch als Ziele, die bestehenden Hilfen weiter zu vernetzen und Aufklärungsarbeit zu leisten. Meist meldeten sich die Mädchen und Frauen erst kurz vor oder nach einer Zwangsheirat, sodass schnell gehandelt werden müsse. "Eine sofortige Flucht aus der Familie kann in einem solchen Fall Leben retten", sagte Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von Terre des Femmes.