Studie

Gesundheitswesen vergeudet Milliarden - auch in Berlin

Im Gesundheitswesen werden Milliarden verschwendet - und der Beitragssatz zur Krankenkasse unnötig hoch gehalten. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie. So koste etwa die durchschnittliche Krankenhausleistung in Berlin über 200 Euro mehr als anderswo in Deutschland.

Foto: picture-alliance / chromorange

Im Gesundheitswesen werden durch zu hohe Preise und Überkapazitäten einer Studie zufolge bis zu 9,8 Milliarden Euro jährlich verschwendet. Die Erhöhung des Kassenbeitrags auf einheitlich 15,5 Prozent wäre unnötig gewesen, wenn das System wirtschaftlicher arbeiten würde, kritisierte die arbeitgeberfinanzierte Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft am Donnerstag in Berlin. Sie hält einen Beitragssatz von 14,5 Prozent auch ohne weitere Steuerzuschüsse für möglich.

Infolge eines mangelnden Wettbewerbs müssten die gesetzlichen Krankenkassen den Kliniken und Arztpraxen teilweise viel zu hohe Preise zahlen, hieß es. So liegt die Vergütung für eine durchschnittliche Krankenhausleistung der Studie zufolge in Rheinland-Pfalz bei 2960 Euro, in Schleswig-Holstein dagegen bei 2685 Euro. in Berlin sind es immerhin 2898 Euro. Damit kam die Hauptstadt im Ranking der Länder mit den teuersten Krankenhäusern auf Platz drei. In Brandenburg kostet die Krankenhausbehandlung 2765 Euro, was Platz elf von 16 bedeutet.

In einigen Bundesländern gibt es der Studie zufolge auch viel zu hohe Fallzahlen in Krankenhäusern, Arztpraxen sowie bei der Vergabe von Arzneimitteln. So suchen im Saarland die Bürger um 13 Prozent häufiger eine Klinik auf als im Bundesdurchschnitt.

Ärzte in Hamburg bekommen laut Studie ein um 42 Prozent höheres Honorar als ihre Kollegen in Niedersachsen. Für Arzneimittel werden den Angaben zufolge im Osten Deutschlands 60 Euro pro Kopf mehr ausgegeben als im Bundesdurchschnitt (403 Euro).

"Das zentrale Ergebnis der Studie lautet: Im deutschen Gesundheitswesen schlummern ungenutzte Effizienzreserven in Höhe von 5,6 bis 9,8 Milliarden Euro", sagte der Geschäftsführer der Initiative, Max Höfer.

Die Studie hatte Einsparpotenziale bei Krankenhäusern, Arztpraxen und Apotheken (inklusive Arzneimitteln) untersucht. Sie machen gut 72 Prozent der Ausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung aus. Dabei wurden ein konservatives Szenario und ein optimistisches Szenario errechnet.

Die von der Initiative in Auftrag gegebene Studie wurde vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung sowie vom Lehrstuhl für Gesundheitsökonomie der Universität Duisburg-Essen erarbeitet.

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