Gewaltwelle

Griechen sehen in Unruhen einen Volksaufstand

Seit gut einer Woche flammen in Griechenland die Unruhen immer wieder auf. Eine deutliche Mehrheit der Bürger sieht darin nicht das Werk einer Minderheit, sondern ein Massenphänomen. Umfragen zeigen zudem, dass die Ausschreitungen der Regierungspartei enorm schaden. Viele Griechen wissen gar nicht mehr, wen sie wählen sollen.

Die Mehrzahl der Griechen stuft die seit über einer Woche andauernden heftigen Proteste von Jugendlichen in ihrem Land als „Volksaufstand“ ein. Sechs von zehn Griechen sagten in einer Umfrage der Zeitschrift „Kathimerini“, es handele sich um ein „Massenphänomen“ und nicht nur um eine protestierende Minderheit.

76 Prozent waren mit dem Verhalten der Polizei unzufrieden. Ein griechisches Meinungsforschungsinstitut interviewte für die Umfrage 520 Erwachsene. Knapp 70 Prozent der Befragten kritisierten die konservative Regierung von Ministerpräsident Kostas Karamanlis, die „eher schlecht“ auf die Krise reagiert habe.


Auch andere Umfragen zeigen, dass die schweren Ausschreitungen für die regierende Partei Nea Dimokratia (ND) von Karamanlis Folgen haben. Nach zwei von den Zeitungen „Proto Thema“ bzw. „Real News“ veröffentlichten repräsentativen Meinungserhebungen liegt die Nea Dimokratia jetzt zwischen 4,8 und 5,6 Prozentpunkten hinter der oppositionellen Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok).


Bei den Umfragen kam die Pasok auf 31,4 Prozent bzw. 26,2 Prozent, die ND auf 26,2 bzw. 20,6 Prozent. Derzeit hat die ND im Parlament eine knappe Mehrheit von einer Stimme. Mit den Umfrage-Ergebnissen wäre keine der beiden großen Parteien in der Lage allein zu regieren.

Die kleineren Parteien profitieren davon nicht. Vielmehr sind der Umfrage zufolge 37 Prozent der Griechen unentschlossen, wem sie im Fall von Neuwahlen ihre Stimme geben würden. Dies sei die höchste in Griechenland je gemessene Unzufriedenheit der Wähler mit den Parteien, hieß es in Rundfunkkommentaren.


Seit dem Tod durch eine Polizeikugel des 15-Jährigen Alexandros Grigoropoulos am 6. Dezember kommt es landesweit bei Protesten gegen die Polizeigewalt zu schweren Ausschreitung. Vermummte richteten allein im Athener Stadtzentrum Schäden in Höhe von mehr als 50 Millionen Euro an. Gleichzeitig protestierten Zehntausende junger Menschen friedlich gegen die hohe Arbeitslosigkeit, das marode Kultussystem und Vetternwirtschaft im Land.

Nach acht Nächten der Gewalt kehrte in Athen am Sonntag erst einmal gespannte Ruhe eingekehrt. Im Zentrum der griechischen Hauptstadt normalisierte sich der Straßenverkehr. Neue Demonstrationen waren zunächst nicht angekündigt.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag war es allerdings erneut zu heftigen Zusammenstößen zwischen Jugendlichen und der Polizei gekommen. Die Beamten gingen gegen 1 Uhr früh gegen Teilnehmer einer Mahnwache auf dem zentralen Syntagma-Platz vor, wo sich auch das Parlamentsgebäude befindet. Einige Jugendliche besetzten daraufhin die nahe gelegene Technische Universität und bewarfen die Polizei mit Steinen. Die Beamten setzten Tränengas ein. Kleine Gruppen von Gewalttätern griffen nach Angaben der Behörden eine Polizeiwache im Stadtzentrum sowie mindestens drei Banken und mehrere Geschäfte mit Brandsätzen an.

Aus Kreisen der Aufstandsbewegung wurde angekündigt, dass der Druck der Straße andauern werde, bis die Forderungen nach Konsequenzen in der Regierung und einer neuen Wirtschaftspolitik erfüllt seien.

Seit Beginn der Protestbewegung wurden mindestens 70 Menschen verletzt und mehr als 200 verhaftet. Hunderte von Geschäften wurden zerstört und teilweise geplündert.

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