Sicherheit

Beim Bush-Besuch in Meseberg fiel ein Schuss

| Lesedauer: 3 Minuten
Axel Lier

Während des Besuches von US-Präsident George W. Bush im brandenburgischen Meseberg ist es zu einem brisanten Zwischenfall gekommen. Laut Sicherheitskreisen fiel in der Nähe des Staatsgastes ein Schuss. Personenschützer vermuteten einen Anschlag und wollten Bush zeitweise aus dem Schloss bringen.

US-Präsident George W. Bush war in der vergangenen Woche auf seiner Abschiedsreise durch Europa auch in Deutschland zu Gast. Dabei wurde er von Bundeskanzlerin Angela Merkel im brandenburgischen Meseberg empfangen. Bush übernachtete im Schloss der 180-Seelen-Gemeinde im Gästehaus der Bundesregierung.

Wie die "Morgenpost Online" aus Sicherheitskreisen erfuhr, ist am vergangenen Mittwoch in der Nähe des Präsidenten ein Schuss gefallen. Ein Angehöriger des Brandenburger Spezialeinsatzkommandos (SEK) hatte sich mit seiner Dienstwaffe in den Unterarm geschossen und damit für Aufregung bei den Personenschützern von Bush gesorgt. Zwischenzeitlich hätten diese überlegt, den US-Präsidenten zu evakuieren, weil sie einen Anschlag vermuteten.

Der Schuss fiel in den frühen Mittwochmorgenstunden, am Tag zwei des Besuches des US-Präsidenten auf Schloss Meseberg. Bush hatte zu dieser Zeit noch keine offiziellen Termine. Während der Einsatzvorbereitungen gegen sieben Uhr löste sich plötzlich ein Schuss aus einer Glock-19-Dienstpistole eines Elite-Beamten. Das 9-Millimeter-Geschoss traf den Polizisten an der Hand. „Es handelte sich um einen versehentlich ausgelösten Schuss, der den Beamten leicht streifte“, sagte Hans-Joachim Uhlenbruck, Vize-Polizeipräsident des Präsidiums in Potsdam. Seine Behörde hatte den zweitägigen Sicherheitseinsatz mit bis zu 1800 Polizisten in Meseberg geleitet. Laut Uhlenbruck ist der SEK-Polizist wieder im Dienst.

Schuss fiel im Gelände

Über den Ort des Vorfalls gibt es widersprüchliche Aussagen: Während es in einigen Polizeikreisen heißt, der Schuss sei in den Kellerräumen des Schlosses gefallen, weist Einsatzleiter Uhlenbruck darauf hin, dass er auf einem „Freigelände“ ausgelöst wurde – ohne die genaue Örtlichkeit beschreiben zu können. Der Vize-Polizeipräsident: „Der Schuss hatte keine Auswirkungen auf das Besuchsprogramm des Präsidenten.“

Hochrangige Brandenburger Beamte weisen jedoch darauf hin, dass die Personenschützer des Secret Service durch den Knall einer Waffe in den frühen Morgenstunden äußerst alarmiert gewesen seien sollen. Es habe sogar Überlegungen gegeben, George W. Bush kurzfristig aus dem Schloss zu bringen – bis die Entwarnung kam.

SEK in den Schlagzeilen

Nach Angaben des Innenministeriums ist die Behörde über die Streifschuss-Panne informiert worden, das Landeskriminalamt (LKA) untersuche derzeit, wie es zu dem Vorfall kommen konnte.

Immer wieder gerät das Brandenburger SEK in die Schlagzeilen. Zuletzt waren fünf Beamte in Jeans und T-Shirt zu ihrer Beförderungsfeier erschienen und hatten dadurch ihre Vorgesetzten verärgert. Als weitaus größere Panne gilt die Schießerei von Waßmannsdorf, bei der im April vergangenen Jahres ein Amok-Schütze einen 29-jährigen SEK-Mann in den Kopf schoss – der Polizist trug keinen Schutzhelm. Im November 2005 kritisierten Berliner Beamte, dass die SEK-Polizisten bei einem Einsatz gegen polnische und deutsche Hooligans zu spät eingetroffen sein sollen.

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