Abschwung 2009

Jede dritte Firma will Arbeitsplätze streichen

Jedes dritte deutsche Unternehmen plant für 2009 einen Stellenabbau. Dies ergibt eine Umfrage des Kölner Instituts für Wirtschaft. Die IW-Forscher gehen von 190.000 mehr Arbeitslosen im gesamten Jahr aus. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) appelliert an die Wirtschaft, Arbeitsplätze zu erhalten.

Die Weltfinanzkrise sorgt einer Umfrage zufolge 2009 nach langer Zeit wieder für einen Anstieg der Arbeitslosigkeit in Deutschland. Im kommenden Jahr müsse gut jedes dritte Unternehmen Stellen abbauen, prognostiziert das arbeitgebernahe Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Betroffen seien zunächst Zeitarbeitskräfte.

Nach dem Abbau von Arbeitszeitkonten werde es aber auch die Stammbelegschaften treffen, sagte IW-Direktor Michael Hüther. Insgesamt würden die Aussichten pessimistisch beurteilt. Der bisherige Aufschwung am Arbeitsmarkt werde spätestens 2009 beendet sein, sagte Hüther bei der Vorstellung der Herbst-Konjunkturumfrage seines Instituts.

„Fast 35 Prozent der Unternehmen beabsichtigen, im kommenden Jahr die Anzahl ihrer Mitarbeiter zu reduzieren“, sagte Hüther. Zwar gehen 46,5 Prozent der befragten Unternehmen von einer stabilen Beschäftigungslage aus, fast 19 Prozent wollen gar mehr Mitarbeiter einstellen. Gleichwohl wird die Zahl der Erwerbstätigen im Jahresschnitt um 230.000 auf unter 40 Millionen zurückgehen, wie Hüther erklärte.

„Die Anzahl der Arbeitslosen steigt jahresdurchschnittlich um 190.000 Personen auf fast 3,5 Millionen an“, sagte Hüther. Insofern wende sich „das Bild am Arbeitsmarkt deutlich, ohne allerdings zu früheren Niveaus zurückzukehren“. Der Abschwung werde auch 2010 anhalten, vermutet Hüther. Panikmache sei zwar nicht angebracht, „aber in der Summe zeigt das Konjunkturbarometer kein erfreuliches Bild“.

Die Bundesagentur für Arbeit geht davon aus, dass der Wirtschaftsabschwung weniger stark auf dem Arbeitsmarkt durchschlägt als frühere Konjunkturkrisen. Vorstandschef Frank-Jürgen Weise sagte der „Bild“-Zeitung, das BA-Forschungsinstitut rechne bei einem Schrumpfen der Wirtschaft um 0,5 Prozent mit 130.000 zusätzlichen Arbeitslosen im Jahresschnitt 2009.

Dies sei der schlimmste Fall. Bei einem Nullwachstum sei lediglich mit 30.000 zusätzlichen Arbeitslosen zu rechnen. Weise sagte, es gebe immer noch eine Million offene Stellen, Vollbeschäftigung in zahlreichen Regionen, und die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit habe sich seit 2005 halbiert. „Die BA braucht keine neuen Arbeitsmarktprogramme. Wir sind gut gerüstet für den Abschwung“, sagte Weise der Zeitung weiter.

Zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an die Unternehmen in Deutschland appelliert, trotz der drohenden Rezession ihre Fachkräfte nicht zu entlassen. Merkel forderte die Betriebe in ihrem Video-Podcast auf, die Mitarbeiter zu halten und zu qualifizieren.

Hintergrund der Prognose zum Arbeitsmarkt: Die Unternehmen beurteilen ihre allgemeine Geschäftslage deutlich schlechter als noch im Frühjahr 2008. Das IW in Köln senkte seine Konjunkturprognose leicht ab. Das Bruttoinlandsprodukt werde 2009 um knapp 0,5 Prozent niedriger ausfallen als in diesem Jahr, sagte Hüther. Insbesondere der Exportmotor könnte nach IW-Einschätzung ins Stottern kommen.

Erstmals seit 2002 überwiege die pessimistische Einschätzung der Firmen die optimistische. 26 Prozent erwarten demnach einen Rückgang ihrer Ausfuhren, 23 Prozent ein Plus, der Rest rechnet mit einem konstanten Exportgeschäft. Der Umfrage unter rund 1800 Unternehmen zufolge erwarten 37 Prozent der Firmen 2009 einen Produktionsrückgang. „Die deutsche Wirtschaft befindet sich damit aber nicht im freien Fall“, sagte Hüther. Knapp 40 Prozent der Unternehmen würden mit einer unveränderten, rund 24 Prozent mit einer steigenden Produktion rechnen.

Die insgesamt eingetrübten Perspektiven für das Auslandsgeschäft spiegeln sich laut IW auch in den Investitionsplänen wider: Für 2009 rechnen 34 Prozent der Unternehmen mit rückläufigen Investitionen in ihrem Betrieb, lediglich 23 Prozent werden voraussichtlich mehr investieren als 2008.

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