CDU will Deutsch im Grundgesetz

"Es wird Zeit, dass wir unsere Sprache schützen"

| Lesedauer: 3 Minuten
Lars Kreye

Die Basis der CDU hat sich auf ihrem Parteitag in Stuttgart dafür ausgesprochen, die deutsche Sprache im Grundgesetz zu verankern. Wörtlich soll festgehalten werden: "Die Sprache in der Bundesrepublik ist Deutsch." Was das bedeutet, sagt der Geschäftsführer des Vereins Deutsche Sprache (VDS) auf Morgenpost Online.

Morgenpost Online: Die CDU folgt in Ihrer Forderung, die deutsche Sprache durch das Grundgesetz zu schützen, fast wörtlich Ihrer Kampagne. Hatten Sie Ihre Finger im Spiel?

Holger Klatte: Nein, der Vorstoß der CDU war mit dem VDS nicht abgesprochen. Gleichzeitig freut mich dieses Bekenntnis, und es ist sehr löblich von der CDU, dass sie unserem Vorschlag vollständig folgt.

Morgenpost Online: Besonders hervorgetan bei dem CDU-Vorschlag hat sich der Ministerpräsident des Saarlandes, Peter Müller. Ein Mitglied bei Ihnen?

Holger Klatte: Nein, Herr Müller ist nicht VDS-Mitglied. Aber wir werden ihm einen Dankesbrief schreiben und ihm die Mitgliedschaft anbieten.

Morgenpost Online: CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla war von dem Vorstoß der Basis nicht gerade begeistert.

Holger Klatte: Dass der CDU-Vorstand zögert, kann ich verstehen. Es muss geprüft werden, wie eine solche Festschreibung rechtlich umgesetzt werden kann. Inwiefern sind zum Beispiel international handelnde Unternehmen betroffen? Sollte die vorwiegend englische Geschäftskorrespondenz zwangsweise auch ins Deutsche übersetzt werden?

Morgenpost Online: Was meinen Sie?

Holger Klatte: Es gibt viele offene Fragen zu der Umsetzung. Wenn es soweit ist, sollte sich eine Gruppe von Juristen zusammensetzten, um solche Fragen zu klären. Der VDS ist bei diesen Fragen gern behilflich.

Morgenpost Online: Warum ist es wichtig, die deutsche Sprache zu schützen?

Holger Klatte: Sprache geht alle an. Sie ist unser wichtigstes Kulturgut. Wir sind der Meinung, dass die deutsche Sprache ebenso im Grundgesetz verankert werden muss, wie die Bundesflagge oder die Hauptstadt. Eines unserer wichtigsten Argumente ist, dass Sprache ein Mittel ist, mit dem sich die Mitglieder einer Gemeinschaft identifizieren können.

Morgenpost Online: In welcher Form?

Holger Klatte: Über unsere gemeinsame Sprache haben wir eine Möglichkeit, uns zu verständigen. Jeder der in Deutschland lebt, solle diese Sprache auch beherrschen und wir müssen zeigen, dass die Sprache uns wichtig ist, angefangen mit dem Schulunterricht, über die Sprache der Wirtschaft bis zur Wissenschaft.

Morgenpost Online: Und eine durchs Grundgesetz geschützte Sprache kann hier helfen?

Holger Klatte: Die deutsche Sprache bekommt so die Bedeutung, die sie verdient. Wir hoffen, dass Deutsch im Schulunterricht wieder mehr gefördert wird. Andere Länder wie Frankreich oder Polen haben schon entsprechende Gesetze. Unser Hauptziel ist aber nicht nur die Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz. Unser Ziel ist die generelle Förderung der deutschen Sprache.

Morgenpost Online: Wie wollen Sie Ihr Ziel erreichen?

Holger Klatte: Wir sammeln seit dem Sommer Unterschriften. An die 10.000 haben sich bereits für den Grundgesetzeintrag ausgesprochen, doch die Aktion ist noch lange nicht beendet.

Morgenpost Online: Aber einfordern können Sie mit den Unterschriften nichts?

Holger Klatte: Nein, aber ein Zeichen setzen.

Holger Klatte (35) ist Geschäftsführer des Vereins Deutsche Sprache e.V. Der Verein hat sich 1997 gegründet, um gegen zunehmende Anglizismen in der deutschen Sprache vorzugehen. Mittlerweile umfasst der Verein ca. 30.000 Mitglieder und vergibt den "Kulturpreis Deutsche Sprache".

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