Atomtransport

Castor-Gegner liefern sich Schlacht mit Polizei

Mit mehr als 14-stündiger Verspätung und begleitet von heftigen Protesten hat der Atommüll-Transport ins Zwischenlager Gorleben die Umladestation Dannenberg erreicht. Dort sollen die Castor-Behälter auf Tieflader verladen werden. Die Proteste drohten an manchen Gleisabschnitten völlig zu eskalieren.

Mit mehreren Aktionen haben Atomkraftgegner am Vormittag versucht, den Straßentransport der Atommüllbehälter ins Zwischenlager Gorleben zu verhindern. Im Ort Grippel, den der Atommülltransport auf dem Weg ins Zwischenlager Gorleben passieren muss, wurden zwei ein Meter hohe Betonpyramiden auf der Dorfstraße errichtet. Daran ketteten sich jeweils vier Personen fest.

Zuvor hatten sich vor der Ausfahrt des Verladekrans in Dannenberg zwölf Greenpeace-Aktivisten an einen Sattelschlepper angekettet, wie die Umweltschutzorganisation mitteilte. Auf einem Banner hieß es: „Atommülllager Gorleben ungeeignet!“ Nach Polizeiangaben wurde die Aktion inzwischen beendet. Etwa zur selben Zeit hatten Polizisten bei Laase den Versuch mehrerer Hundert Atomkraftgegner unterbunden, die Straßentransportstrecke nach Gorleben zu besetzen.

In Quickborn blockierten rund 40 Traktoren die sogenannte Nordstrecke des Atommülltransports nach Gorleben. Die Zufahrt zum dortigen Transportbehälterlager wird bereits seit Samstagabend von mehreren Hundert Atomkraftgegnern besetzt gehalten.

Am späten Vormittag waren in Dannenberg bereits die meisten der elf Atommüllbehälter aus der französischen Wideraufbereitungsanlage La Hague von Waggons auf Tieflader umgehoben worden. Die letzten 20 Kilometer nach Gorleben wird der hoch radioaktive Müll auf der Straße zurücklegen.


Trotz massiver Proteste und Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Atomkraftgegnern hatte der Zug nach Polizeiangaben am Montagmorgen um 01.13 Uhr den Dannenberger Bahnhof erreicht. Zuvor musste er auf dem letzten Teilstück zwischen Lüneburg und Dannenberg wiederholt kurzzeitig stoppen. Bei Leitstade kletterten drei Aktivisten auf einen der Waggons. Sie wurden nach Polizeiangaben aber bereits kurze Zeit später wieder heruntergeholt.


Entlang der Bahnstrecke gab es im Verlauf des Sonntags immer wieder Blockadeaktionen und Proteste. Die Polizei räumte mehrere Sitzblockaden der Schienenstrecke bei Tollendorf sowie bei Hardingen und beendete eine Abseilaktion von Robin-Wood-Aktivisten.


Hunderte Atomkraftgegner versuchten, den Transport mit Blockaden von Straßen und Schienen weiter zu behindern. Am späten Sonntagabend schafften es drei Demonstranten, den Zug zu erklimmen. Sie wurden nach Angaben der Castor-Gegner von der Polizei festgenommen.


Die Proteste konzentrierten sich auf einen dicht bewaldeten Schienenabschnitt im Großraum Göhrde zwischen Lüneburg und Dannenberg. Kleine Gruppen von Demonstranten besetzten immer wieder zeitweise die Gleise. Eine der zwei möglichen Castor-Routen zwischen Dannenberg und Gorleben wurde am Abend von 40 Landwirten mit Traktoren versperrt. Vor dem Zwischenlager harrten mehrere hundert Aktivisten in einer Sitzblockade auf der Straße aus.


Bei der seit Jahren größten Demonstration gegen die Atomkraft hatten sich am Samstag am Gorlebener Zwischenlager 15.000 Castor-Gegner versammelt. In der Südpfalz ketteten sich drei junge Leute für fast zwölf Stunden an die Gleise. Nach Angaben der Polizei verspätete sich dadurch die Weiterfahrt des Castor-Zuges um 13 Stunden.

Steinwürfe und Schlagstockeinsatz

Die Protestaktionen an der Bahnlinie von Lüneburg nach Dannenberg konzentrierten sich am Sonntag auf das bewaldete Gebiet westlich der niedersächsischen Stadt Hitzacker.


Dabei ketteten sich nach Polizeiangaben insgesamt acht Castor-Gegner an die Gleise. Alle Blockierer wurden von der Polizei los geschnitten. Mehrere hundert oft als Zwerge verkleidete Demonstranten spielten Katz und Maus mit den Ordnungskräften und setzten sich an verschiedenen Stellen immer wieder auf die Schienen.


Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen setzte die Polizei Schlagstöcke ein. Sie verletzte damit Demonstranten, wie die Castor-Gegner mitteilten. Mehrere Beamte seien durch Steinwürfe leicht verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher. Nach Berichten von Sanitätern wurde ein junger Mann vom Huf eines Polizeipferdes am Kopf getroffen und erlitt eine Platzwunde und eine Gehirnerschütterung.


Die Blockade der Einfahrt zum Zwischenlager Gorleben wurde zunächst von der Polizei geduldet. Im Laufe des Sonntags ließen sich zeitweilig 1000 Menschen nieder und richteten sich zwischen Strohballen mit ihren Schlafsäcken häuslich ein. Man sehe vorerst keinen Grund, gegen die Blockade vorzugehen, sagte ein Polizeisprecher. 300 Meter vor der Einfahrt hingen zudem vier Mitglieder der Umweltorganisation Robin Wood in Hängematten über der Straße.


Der Sprecher der Anti-Atom-Initiative X-tausendmal quer, Jochen Stay, zeigte sich erfreut über die große Zahl der Demonstranten: "Die Kette der Atommüll-Skandale und das Gerede von Laufzeitverlängerungen für die Atomkraftwerke hat viele Menschen wachgerüttelt. Statt des Comebacks der Atomenergie erleben wir in diesen Tagen die Renaissance der Anti-Atom-Bewegung".

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