Auftritt in Berlin

So sieht Amerika die Rede Barack Obamas

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Bei den Deutschen ist die Rede des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama gut angekommen. Auch die Bundesregierung hatte für Obama nur Lob übrig. Die US-Medien verfolgten seinen Auftritt in Berlin weitaus kritischer. In den entscheidenden Punkten sei der Senator viel zu undeutlich geblieben.

"Jetzt weiß man: Die Götter haben sich zu seinen Gunsten entschieden“, urteilte der Journalismus-Veteran David S. Broder von der "Washington Post“ mit mildem Spott. Seine Auslandstour absolvierte Barack Obama bislang fehlerfrei und lieferte den Wählern daheim haufenweise Kandidatenbilder in staatsmännischer Pose.

Der erste Volltreffer gelang Obama in Kuwait. Dort traf er beim Basketball aus großer Entfernung zielsicher in den Korb. Der zweite gelang ihm in Berlin. Mehr als 200.000 Zuhörer jubelten dem Kandidaten wie einem Erlöser zu. Trotz seiner Forderungen nach einem größeren Einsatz in Afghanistan.


Obama ist zufrieden. Die Reise habe ihm "die Möglichkeit gegeben, über die schwierigen Themen zu sprechen, vor denen wir stehen.“ Eine der wichtigsten amerikanischen Tageszeitungen sieht das etwas anders. Die New York Times kritisierte, Obama sei "in den entscheidenden Punkten wie Handels-, Außen- und Verteidigungspolitik, die Washington von Europa trennten, zu vage geblieben.“ Die Europäer bewunderten sein politisches Geschick und begrüßten seine Bereitschaft, gegnerische Meinungen zu respektieren. Doch sie seien eben auch wachsam in Bezug auf Obamas Forderungen nach mehr Geld und Soldaten für den Kampf gegen die Taliban.

Zudem würden die Europäer schnell merken, dass Obama in Wirklichkeit wenig Interesse an Europa habe. Angeblich habe er sich nie um ein Treffen mit dem Botschafter der EU in Washington bemüht. Die europäischen Staatsoberhäupter sorgten sich besonders um Obamas Positionen zum Handel, die sich nach Ansicht vieler in Richtung Protektionismus bewegten.


Die Bundesregierung wertete die Rede jedoch als "positives Signal an Europa und die Europäer". Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hob hervor, dass sich Obama in der Ansprache an der Siegessäule für eine enge internationale Zusammenarbeit bei der Bewältigung der internationalen Herausforderungen ausgesprochen habe. Das entspreche genau der Haltung der Bundesregierung und von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).


Die Zustimmung der Deutschen zum Afghanistan-Einsatz verhält sich etwa umgekehrt proportional zur Zustimmung für Obama. Warum also der Jubel der 200.000 an der Siegessäule? "In den Augen vieler Deutscher ist es vielleicht gar nicht so wichtig, was Senator Obama sagt“, mutmaßt der Washingtoner Deutschland-Experte Jackson Janes vom Amerikanischen Institut für Deutschland-Studien. "Wichtiger ist ihnen, dass er den Gegenentwurf zu George W. Bush symbolisiert. Symbole können Substanz aber nicht ersetzen."

Obamas Erfolg in Europa lässt sich übrigens auch in Zahlen belegen. Seine Wahlkampfspenden aus Ländern wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien sind zehn Mal höher als die seines republikanischen Rivalen John McCain.

( AP/AFP/RTR/ES )