Nominierungsparteitag

Barack Obama erklärt sich zum Superamerikaner

Es ist offiziell: Obama hat die Nominierung zum Kandidaten der Demokraten angenommen. In seiner Rede gab er sich Mühe, die Bedenken gegen seine Person zu zerstreuen. Außerdem griff er seinen Konkurrenten John McCain hart an. Was er nicht zerstreuen könnte, sind die Zweifel, dass seinen Worten gelungene Taten folgen werden.

Es war eine perfekte Show. Das dürfte wohl niemanden mehr überrascht haben. Denn schließlich sprach im Invesco-Stadion in Denver nicht irgendwer, sondern Barack Obama. Und der demokratische Präsidentschaftskandidat und sein Team verstehen etwas von Inszenierung.


Vor mehr als 80.000 Menschen, eingerahmt von einer Säulenhalle, trat Obama zur besten TV-Sendezeit vor die Kameras. Bis ins Detail war alles perfekt – so war es sicher kein Zufall, dass sich die Farben von Obamas Krawatte in der Kleidung seiner Ehefrau und der der beiden Töchter wiederfanden.


Auch der Hintergrund war mit Bedacht ausgewählt. Während deutsche Zuschauer sich an das Brandenburger Tor erinnert fühlen durften, sah es für amerikanische Kommentatoren eher nach dem Lincoln Memorial aus. Vor genau 45 Jahren trat dort Martin Luther King auf und hielt seine berühmte Rede mit den unvergessenen Worten “I have a dream”.


Dessen war sich selbstverständlich auch Barack Obama bewusst – insbesondere, da er der erste schwarze US-Präsidentschaftskandidat einer großen Partei ist. Doch er ließ sich bis zum Ende seiner Rede Zeit mit der geschichtlichen Referenz, von der alle ahnten, dass sie kommen würde.


Zunächst richtete Obama all seine Bemühungen darauf aus, als "amerikanischster aller Amerikaner" durchzugehen. In der Vergangenheit hatten ihm Gegner immer wieder mangelnden Patriotismus und mangelnde nationale Identität (ein zweifelhafter Bezug auf seinen kenianischen Vater) vorgeworfen. Der Subtext von Obamas Rede lautete nun dementsprechend: "Ich bin der Superamerikaner".


Obama präsentierte seine Großmutter, seinen Großvater, seine Mutter und sich selbst als typische Verkörperungen des amerikanischen Traums. Oma, Opa, und Mutter seien, so Obama, seine Helden. Das ist ein Wort, das gut ankommt bei Amerikanern.


Zugleich versuchte Obama Vorwürfe zu zerstreuen, sein Wahlkampf drehe sich nur um Selbstinszenierung. Diese Kritik war insbesondere nach der Berlin-Rede vor mehr als 200.000 Menschen laut geworden. Nun sagte Obama: “In diesem Wahlkampf ging es nie um mich. Es ging um Euch.” Und er kokettierte damit, “nicht der wahrscheinlichste Kandidat” für das Präsidentenamt zu sein.


Überhaupt schien es, als hätte Obama bei der Vorbereitung der Rede hinter jedes wichtige Thema einen Haken gesetzt. New Orleans war wichtig, denn vor fast genau drei Jahren richtete dort der Hurrikan “Kathrina” eine riesige Zerstörung an. Und es wurde abgehakt. Der Dank für die Familie, die ehemaligen Konkurrenten, den Kandidaten fürs Vizepräsidentenamt – erledigt. Verweise auf angesehene historische Persönlichkeiten, vor allem John F. Kennedy, Franklin D. Roosevelt und natürlich Martin Luther King – untergebracht. Ein Bibelzitat und das in den Staaten scheinbar unvermeidliche “Gott segne Amerika” – waren ebenfalls in der Rede enthalten.

Ähnlich war es mit den zentralen Politikfeldern. Obama sprach über die Wirtschaft, die hohen Benzinpreise, die Abhängigkeit vom Öl. Er sprach über die Probleme bei der Krankenversicherung, die vielen zwangsversteigerten Häuser, die nicht immer optimale und noch dazu teuere Ausbildung der Kinder, den Krieg im Irak, die Angst vor einem Iran mit Atomwaffen. All das würde Obama als US-Präsident – na klar –, in den Griff bekommen. Und die Finanzierung hat er auch schon komplett im Kopf.


Man muss es ihm lassen: Der Mann ist einfach ein begnadeter Redner. Und seine Redenschreiber sind ebenfalls brillant. Kein wichtiges Thema blieb außen vor, keine wichtige Beschwörungsformel wie etwa der “amerikanische Traum” und das “amerikanische Versprechen” blieb unausgesprochen.


Zugleich konnte man aus Obama Rede sogar ablesen, was in den nächsten Wochen, wenn der richtig harte Wahlkampf toben wird, zu erwarten ist. Er zollte John McCain zwar Respekt. Doch Obama machte auch unmissverständlich klar: der kann es nicht. Er zeichnete ein Bild von McCain, dass diesen als engen Verbündeten von George W. Bush und als abgehobenen, weltfremden reichen Mann zeichnete. Als McCain vor wenigen Tagen auf die Frage, wie viele Häuser er besitze, keine Antwort hatte, dürften beim Obama-Team Freudentränen geflossen sein.


Obama hat eine grosartige Rede abgeliefert. Umfragen in den nächsten Tagen werden zeigen, wie sehr die Amerikaner davon beeindruckt worden sind. Und frühestens ab Januar 2009, wenn der neue US-Präsident sein Amt antritt, werden wir wissen, ob dieser Mann wirklich mehr zu bieten hat als wohlklingende Worte. Zu wünschen ist es Amerika in jedem Fall.

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