Anschlag in Glasgow

Mittlerweile acht Terrorverdächtige in Haft

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Die britischen Ermittler haben drei der Festgenommenen als Mediziner aus dem Irak, dem Libanon und Jordanien identifiziert. Die Sprengsätze stammen ersten Erkenntnissen zufolge aus einer "Bombenfabrik" nahe Glasgow. Die Angst hält das Land weiter im Griff: Wegen verdächtiger Gepäckstücke wurde der Flughafen Stansted gesperrt.

Nach den verhinderten Terroranschlägen in London und Glasgow hat die britische Polizei am Montag zwei weitere Festnahmen bekannt gegeben und zwei Ärzte aus dem Irak und dem Libanon als Verdächtige identifiziert. Es handele sich um einen der Männer, die am Samstag einen brennenden Wagen in ein Terminal am Flughafen von Glasgow steuerten, teilten die Behörden mit. Ein weiterer Festgenommener absolvierte seine medizinische Ausbildung demnach in Jordanien. Die Polizei hat mittlerweile insgesamt acht Verdächtige in Gewahrsam, die an den verhinderten Anschlägen beteiligt gewesen sein sollen. Einer der Männer ist nach Informationen des Senders BBC im Ausland festgenommen worden.

Bei einem der in Glasgow Festgenommenen handelt es sich nach Angaben eines Polizeisprechers um Bilal Abdulla, der in Fernsehberichten als irakischer Arzt identifiziert wurde. Er wird nach Behördenangaben in einem Hochsicherheitsgefängnis in Glasgow festgehalten. Der Fahrer des Geländewagens, der in das Terminal raste, ist noch nicht identifiziert. Er wird mit schweren Verbrennungen in einer Klinik in Glasgow behandelt.

Der zweite als Mediziner identifizierte Verdächtige ist laut Polizei Mohammed Jamil Abdelqader Asha. Er wurde am Samstagabend zusammen mit einer 27 Jahre alten Frau auf einer Autobahn in Mittelengland festgenommen. Der britischen Ärztekammer zufolge wurde Asha in Jordanien ausgebildet und machte seinen Abschluss 2004. Mehrere Fernsehsender und Zeitungen berichteten, er arbeite im Krankenhaus von North Staffordshire in der Nähe der Ortschaft Newcastle-under-Lyme, wo die Polizei am Sonntag Häuser durchsucht hatte. Aus Kreisen jordanischer Behörden verlautete, Asha sei gebürtiger Palästinenser und habe einen jordanischen Pass.

Die Familie Ashas protestierte in Jordanien gegen dessen Festnahme. Er habe sich nie etwas zu Schulden kommen lassen und habe auch nie etwas mit extremistischen Kreisen zu tun gehabt, erklärte sein Vater. Er appellierte an den jordanischen König, sich bei der britischen Regierung für die Freilassung seines Sohnes einzusetzen.

Ermittler waren den Terroristen knapp auf den Fersen

Die britische Innenministerin Jacqui Smith erklärte, bislang habe es Durchsuchungen an mindestens 19 Orten gegeben. Die Ermittlungen würden mit hoher Geschwindigkeit geführt. Spezialisten sichteten außerdem tausende Stunden an Aufnahmen von Überwachungskameras und Beweisstücke, die in den Häusern der inzwischen insgesamt sieben festgenommenen Verdächtigen sichergestellt wurden.

Nach britischen Medienberichten gehen die Ermittler davon aus, dass die Tatverdächtigen einer mit dem Al-Qaida-Netzwerk verbundenen Terrorzelle angehörten. Dabei wurde der Arzt aus Jordanien als einer der „Drahtzieher“ bezeichnet.

Zwei weitere Festnahmen gab die Polizei am Montag bekannt. Es handele sich um zwei 25 und 28 Jahre alte Männer, die in der Nähe von Glasgow unter den Bedingungen des Gesetzes zur Verhinderung von Terrorismus aufgegriffen wurden. Aus Sicherheitskreisen verlautete, die Identifizierung der Verdächtigen bereite Schwierigkeiten. Ein Mann wurde am Montagabend offenbar im Ausland festgenommen.

Den Attentätern von Glasgow war die Polizei offenbar kurz vor der Tat dicht auf den Fersen: Wenige Minuten vor dem Anschlag hätten Ermittler die Wohnungsvermittlung Let-It kontaktiert, sagte deren Mitarbeiter Daniel Gardiner. Die Firma habe einem Verdächtigen ein Haus in Houston vermittelt, einem Vorort von Glasgow. Es werde vermutet, dass der Mann im Royal Alexandra Hospital in Paisley als Arzt arbeite. Vor dem Krankenhaus wurden am Sonntag und Montag zwei kontrollierte Explosionen an einem Auto durchgeführt. Die Polizei gab als Grund eine Verbindung zu dem Anschlag auf den Flughafen an.

Sprengsätze stammen aus Glasgower "Bombenfabrik"

Die in den fehlgeschlagenen Attentatsversuchen verwandten Sprengsätze sind nach Angaben aus Sicherheitskreisen in der Nähe von Glasgow hergestellt worden. Die „Bombenfabrik“ befinde sich in der Nähe der schottischen Stadt, sagte ein Sicherheitsvertreter, ohne genauere Angaben zu machen. Nach seinen Informationen stammten alle in den Fall verwickelten Verdächtigen aus dem Nahen Osten. Sie seien legal nach Großbritannien eingereist, um im Gesundheitswesen zu arbeiten.

Spezialeinheiten der Polizei sprengten am Montag auf dem Parkplatz des Royal Alexandra Hospitals in Paisley nahe Glasgow ein dort geparktes Fahrzeug. Nach Angaben eines Polizeisprechers stand das Fahrzeug im Zusammenhang mit dem Anschlagsversuch auf den Flughafen in Glasgow. Hinweise auf versteckten Sprengstoff gab es demnach nicht, die Explosionen hätten es den Einsatzkräften lediglich ermöglicht, sich dem Auto zu nähern. Bereits am Sonntag war auf dem Parkplatz ebenfalls eine kontrollierte Explosion herbeigeführt worden. In dem Krankenhaus wird einer der schwer verletzten Attentäter behandelt, und der irakische Arzt arbeitete dort.

Flughafen Stansted wegen verdächtigen Gepäcks gesperrt

In London wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Vor Kontrollpunkten auf der London Bridge bildete sich eine lange Autoschlange, das Tennisturnier in Wimbledon wurde mit Betonbarrieren geschützt.

Das Abfertigungsgebäude des Flughafen Stansted im Norden von London wurde am Abend wegen eines „verdächtigen“ Gepäckstücks für unbestimme Zeit geschlossen. Niemandem wurde erlaubt, die Halle zu betreten oder zu verlassen, berichtete der Sender BBC. Flugzeuge durften jedoch weiterhin landen und starten.

Ein Mann wurde im Zusammenhang mit dem verdächtigen Gepächstück festgenommen. Noch ist unklar, ob der Vorfall in Zusammenhang steht mit den versuchten Anschlägen in London und Glasgow.

Innerhalb des Terminalgebäudes wurde nach Angaben von Augenzeugen ein Areal abgeriegelt, in dem sich das verdächtige Gepäckstück befand. Es handele sich um eine unumgängliche Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Sicherheitsbeamter.

Alle britischen Flughäfen wurden am Montag nach einer weiteren Sitzung des Notfallkabinetts COBRA erneut zu strengen Sicherheitsvorkehrungen aufgerufen. Dazu gehört, dass Fahrzeuge nicht mehr in die Nähe der Terminalgebäude kommen dürfen. Tausenden Passagieren wurde dadurch die Flugreise erschwert.

( DPA/AP/AFP/ws/omi/wal )