Zensur bei Olympia

IOC-Präsident Rogge bricht sein Versprechen

Rolle rückwärts von Jacques Rogge: Der IOC-Präsident wird sein Versprechen eines "freien und unzensierten" Zugangs bei den Olympischen Spielen nicht halten. Er lobte die Zugeständnisse der Chinesen als "beispiellos für dieses Land" und betonte, dass es nur noch um den "größtmöglichen" Zugang für Journalisten gehe.

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In der Kontroverse um die chinesische Internet-Zensur ist IOC-Präsident Jacques Rogge von seinem Versprechen eines „freien und unzensierten“ Zugangs bei den Olympischen Spielen zurückgerudert. Auf seiner ersten Pressekonferenz in der Olympia-Stadt Peking machte der Belgier deutlich, dass es nur noch um „größtmöglichen“ Zugang für die 25.000 Journalisten gehe. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) habe nach seiner jetzigen Darstellung schon 2001 bei der Vergabe der Sommerspiele an Peking von den Organisatoren einen „größtmöglichen Zugang“ gefordert. „Sie haben gesagt, dass sie es tun werden“, sagte Rogge. Er lobte die Zugeständnisse Chinas als „beispiellos für dieses Land“. „Was zählt, ist der Fortschritt".

Die Frage, was denn ein akzeptabler „größtmöglicher Zugang“ sei, ließ Rogge unbeantwortet. Er lehnte es auch ab, sich für eine Irreführung der internationalen Medien zu entschuldigen, wie es der Chef der IOC-Pressekommission Kevan Gosper getan hatte, der völlig überrascht von der Zensur in Peking war. „Ich entschuldige mich nicht für etwas, wofür wir nicht verantwortlich sind“, sagte Rogge. „Die Chinesen betreiben das Internet.“ Indirekt machte der Belgier klar, dass die Wünsche des IOC nicht in vollem Umfang erfüllt wurden. Aber es habe zu keiner Zeit „einen Deal“ gegeben: „Aber als Idealisten sind wir manchmal auch etwas naiv.“ Er räumte aber ein, dass das IOC möglicherweise etwas naiv gewesen sei. „Wir sind Idealisten“, sagte Rogge. „Idealismus ist etwas, das mit Naivität verbunden ist.“


Rogge bekräftigte, es habe keine Übereinkunft zwischen dem IOC und dem Organisationskomitee (BOCOG) über die Internet-Zensur gegeben. Nachdem die Sperren von Webseiten festgestellt worden waren, habe sich das IOC mit den Olympia-Organisatoren zusammengesetzt. Was zähle sei, dass sich die Situation verbessert habe.

IOC-Chefkoordinator Hein Verbruggen betonte: „China erlaubt mehr, als es zugesagt hat. Es ermöglicht auch den freien Zugang zu Themen, die nichts mit Olympia zu tun haben.“ Man könne die Verantwortlichen nur ermutigen, diesen Weg weiter fortzusetzen, fügte Pressechefin Giselle Davies hinzu.


Rogge geht davon aus, dass nach der Eröffnungsfeier ab dem 9. August die „Magie der Spiele“ die „hitzigen Debatten“ der letzten Tage überstrahlen wird. Er lobte die Gastgeber für ihre glänzende organisatorische Vorbereitung: „Das olympische Dorf ist das beste aller Zeiten, auch Weltverbände und NOKs sind mit den Bedingungen hochzufrieden.“

Einige Internet-Seiten weiter gesperrt

Rogge rechnet nicht mit Protestaktionen von Athleten in den olympischen Stätten. Auch die Teilnahme an der Eröffnungsfeier werde sich im Rahmen der letzten Spiele bewegen: „Manche wie die meisten Leichtathleten sind noch nicht vor Ort, aber 7000 bis 9000 werden einmarschieren.“

Zuvor hatte die Exekutive den Antrag des französischen NOK und seiner Athletenkommission abgelehnt, zur Eröffnung mit Abzeichen „Für eine bessere Welt“ einzumarschieren. „Wir wollen keine Demonstrationen im Mikrokosmos von 205 Ländern“, sagte Rogge unter Verweis auf die olympische Charta. Zugleich unterstrich das IOC erneut das Recht zur freien Meinungsäußerung aller Athleten in Pressekonferenzen oder Interviews an jedem Ort und zu jeder Zeit.

Im Hauptpressezentrum (MPC) der Spiele konnten seit Freitag die zuvor geblockten Seiten der Menschenrechtsorganisation amnesty international, von Reporter ohne Grenzen, der Deutschen Welle oder der BBC aufgerufen werden. Gesperrt blieben dagegen weiter Homepages der in China verbotenen Sekte Falun gong oder von freetibet.org, die von Auslands-Tibetern herausgegeben wird.