Terrrorabwehr

Muslimische Polizisten sollen in Moschee beten

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Frederic Spohr

Foto: rw/cu/rh / dpa

Das Deutsch-Türkische Forum der CDU fordert in Nordrhein-Westfalen eine muslimische Polizeieinheit. Die Beamten sollen uniformiert in der Moschee zum Gebet erscheinen und Erkenntnisse über die Gemeinde sammeln. Die Gewerkschaft der Polizei ist über den Vorschlag entsetzt.

Noch Vorstellung des Deutsch-Türkischen Forums (DTF) sollen zwischen 150 und 200 muslimische Beamte die Einheit bilden. Sie könnten zum einen die Zusammenarbeit zwischen den muslimischen Gemeinden und der Polizei verbessern. Zum anderen sollen sie Erkenntnisse über mögliche Terroristen gewinnen.

Bislang setzen die Behörden in Nordrhein-Westfalen auf zumeist nichtmuslimische Kontaktbeamte. "Der bisherige Ansatz mit Integrationsbeauftragten der Polizei ist gescheitert", sagte der Vorsitzende des DTF Bülent Arslan Morgenpost Online. "Die gehen in die Gemeinden, trinken ein bisschen Tee und genießen die Gastfreundschaft der Muslime." Wirklich integriert seien die Polizisten aber nicht, so das CDU-Mitglied.

Mit dem neuen Ansatz sollen laut Arslan auch Erkenntnisse über Einzelpersonen gewonnen werden. "Wenn man Teil der Gemeinde ist, dann weiß man genau, welcher Sohn lange Zeit verreist war oder welche Gemeindemitglieder sich plötzlich verdächtig verhalten."

Für Wolfgang Beus, Pressesprecher für Polizeifragen des nordrhein-westfälischen Innenministeriums, grenzt das an Spionage. "Wenn wir muslimischen Beamten sagen, sie sollen Erkenntnisse in ihren Gemeinden sammeln, geraten sie in einen Rollenkonflikt", sagt Beus. Ob er als Privatmann oder Polizist zum Gebet geht, sei dann nicht mehr zu trennen.

Derzeit erklären die Kontaktbeamten ihren Kollegen zum Beispiel wie man sich in Moscheen verhält. Außerdem versuchen sie, Hemmschwellen abzubauen, damit die muslimischen Gemeinde-Mitglieder eher mit der Polizei zusammenarbeiten und mögliche Extremisten den Beamten melden. "Mit dieser Methode haben wir gute Erfahrungen gesammelt", sagt Beus.

Rainer Wendt, Vorsitzender der deutschen Polizei-Gewerkschaft, nennt den DTF-Vorschlag "absurd". "Mit einer muslimischen Polizei-Einheit wird ein völlig falsches Signal gesendet. Nämlich, dass wir einer Bevölkerungsgruppe besonderer Aufmerksamkeit schenken müssen. Und das wollen wir nicht." Um Erkenntnisse über mögliche Terroristen zu gewinnen, gebe es andere Mittel, beispielsweise verdeckte Ermittler.

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