Dass Virginia Giuffres Autobiografie im britischen Königshaus wie eine Bombe einschlagen würde, war schon lange klar. Die schweren Vorwürfe, die die US-Amerikanerin gegen Prinz Andrew erhebt, werfen seit Jahren einen Schatten auf die Royals. Giuffre beschuldigt den 65-jährigen Andrew, sie über eine längere Zeitspanne sexuell ausgebeutet zu haben. Der jüngere Bruder von König Charles habe zum ersten Mal mit ihr Sex gehabt, als sie erst 17 Jahre alt war. Der Skandal hat schon dazu geführt, dass Andrew 2019 als „aktiver“ Royal zurücktreten musste. Aber Giuffres Memoiren „Nobody’s Girl“, die am Dienstag publiziert wurden, haben die Affäre erneut in die Schlagzeilen gebracht – und die Einzelheiten haben in Großbritannien Schock und Entsetzen ausgelöst.
Giuffre, die im April im Alter von 41 Jahren durch Suizid starb, schreibt, Andrew habe es „als sein Geburtsrecht erachtet, mit mir Sex zu haben“. Zum ersten Mal habe sie ihn 2001 getroffen. Sie sei damals bereits vom New Yorker Finanzier und später verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ausgebeutet worden. Ghislaine Maxwell, die Vertraute Epsteins, habe ihr gesagt: „Wie Aschenbrödel werde ich einen hübschen Prinzen treffen“. Giuffre habe zuerst in einem Londoner Club mit Andrew getanzt. Später habe sie ihm in Maxwells Villa ein Bad gemacht, danach habe er mit ihr Sex gehabt. Epstein habe ihr daraufhin 15‘000 Dollar gegeben, „für Dienstleistungen an dem Mann, den die Boulevardpresse ‚Randy Andy‘ [dt.: der lüsterne Andy] nannte.“
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Virginia Giuffres Memoiren: Prinz Andrew bestreitet alle Vorwürfe
Giuffre schreibt von zwei weiteren Treffen mit Andrew, bei denen er mit ihr Geschlechtsverkehr gehabt habe. Das eine Mal sei es auf Epsteins Privatinsel in der Karibik passiert. Es sei eine „Orgie“ gewesen, inklusive Epstein und „etwa sieben anderen jungen Mädchen“, die „jünger als 18 aussahen“ und „nicht wirklich Englisch sprachen“. Zu Beginn ihrer Memoiren schreibt Giuffre, dass sie von Epstein und Maxwell an „unzählige reiche, mächtige Leute ausgeliehen worden“ sei. „Ich wurde regelmäßig ausgenutzt und erniedrigt – und in manchen Fällen gewürgt und blutig geschlagen.“ Sie habe Angst gehabt, „als Sexsklavin zu sterben“.
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Prinz Andrew bestreitet alle Vorwürfe kategorisch. In einem berüchtigten BBC-Interview sagte er 2019, er könne sich überhaupt nicht an Virginia Giuffre erinnern. Ein Bild der beiden, das bereits 2011 durch die Presse ging, sei „manipuliert“, sagte Andrew. Auch habe er seine Freundschaft mit Epstein Ende 2010 gekündigt. Allerdings lässt eine kürzlich veröffentlichte E-Mail Zweifel an dieser Aussage aufkommen. Demnach schrieb er im Februar 2011, kurz nachdem das Foto veröffentlicht wurde, an Epstein: „Wir stehen dies gemeinsam durch.“ Er fügte hinzu: „Bleiben wir in engem Kontakt, und spielen wir bald wieder miteinander!!!!“
Giuffre schreibt in „Nobody’s Girl“, dass der Prinz angesichts der Anschuldigungen gegen ihn versucht habe, ihre Glaubwürdigkeit zu unterminieren. Er habe sogar „Internet-Trolls“ engagiert, um sie zu bedrängen. Andrew und Giuffre gingen 2022 einen außergerichtlichen Vergleich ein, dessen Details nicht öffentlich bekannt sind. Berichten zufolge soll Andrew eine Summe von rund 12 Millionen Pfund an Giuffre gezahlt haben.
Prinz Andrew musste königliche Titel abgeben
Das britische Königshaus war sich offenbar bewusst, wie vernichtend die Enthüllungen in „Nobody’s Girl“ ausfallen würden. So wurde Andrew am Freitag schon mal degradiert: Er musste seine königlichen Titel aufgeben, darf sich also nicht mehr Herzog von York nennen. Auch ist er nicht mehr Mitglied beim Ritterorden Order of the Garter.
Allerdings reicht dies vielen nicht. Denn es handelt sich bloß auf einen freiwilligen Verzicht, die königlichen Titel zu führen. Die einzige Möglichkeit, Andrew das Herzogtum rechtlich zu entziehen, besteht laut Verfassungsexperten darin, ein entsprechendes Gesetz zu verabschieden. Genau dies haben Unterhausabgeordnete am Dienstag gefordert, unter anderem von der schottischen Nationalpartei SNP. „Die Öffentlichkeit weiß, dass dies der richtige Schritt ist“, sagte SNP-Fraktionschef Stephen Flynn. „Und die Opfer im Epstein-Skandal wissen, dass dies der richtige Schritt ist.“
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Für das britische Königshaus ist es ein Debakel. Erneut muss es sich Fragen gefallen lassen: Was wussten die Mitarbeiter von Andrew von den Aktivitäten des Prinzen zur Zeit seiner Freundschaft mit Epstein? Gibt es weitere Informationen, die zurückgehalten werden und dem Königshaus schaden könnten? Trotz aller Versuche, sich von Andrew zu distanzieren, wirft die Affäre weiterhin einen Schatten auf die Royals.