Hängepartie wird zum Hertha-Problem

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Berlin - Was macht Markus Babbel? Viele Hertha-Mitglieder sehen sein Zögern bei der Vertragsverlängerung schon als Zeichen für einen Abgang. Manager Preetz versucht, die Ruhe zu bewahren.

Selbst kurz vor Mitternacht gab es an den Stehtischen bei Würstchen, Kartoffelsalat und Bier nur das eine Thema: Geht Babbel nach dieser Saison, oder macht er doch weiter? «Schade, dass er sich selbst diesem Druck aussetzt», hatte eine junge Anhängerin des Hauptstadtclubs auf der Mitgliederversammlung über das Saalmikrofon gesagt. Zu der Zeit war Cheftrainer Babbel mit seinem Team, das als Aufsteiger in der Fußball-Bundesliga durchaus eine ordentliche Rolle spielt, längst ohne ein Wort an die Fans aus dem Berliner Kongresszentrum ICC wieder abgefahren.

Auch Manager Michael Preetz konnte vor den 1352 anwesenden Mitgliedern nicht zur Erhellung der Trainerfrage beitragen. «Es gibt immer zwei Möglichkeiten. Wir wissen, dass wir Ende Januar eine Entscheidung haben und uns dann erklären», warb der einstige Bundesliga-Rekordtorschütze um ein Stück Unaufgeregtheit. Mit der erfüllten Aufstiegsmission hatte sich Babbels Kontrakt automatisch bis zum Sommer 2012 verlängert. Preetz spricht schon lange von dem «großen Wunsch» einer längerfristigen Zusammenarbeit.

Natürlich wurde über die Gründe, die Babbel zögern lassen, in der Hertha-Familie heftig spekuliert. Zwar fiel das finanzielle Minus durch die Zweitliga-Saison 2010/11 mit 6,7 Millionen Euro geringer aus als befürchtet. Große Sprünge und teure Neuverpflichtungen werden bei weiter 34,73 Millionen Euro Verbindlichkeiten aber weder in diesem Winter noch im kommenden Sommer drin sein. «Alles, was in die Zukunft gerichtet ist, alle Visionen würden von der Aufgabe in dieser Saison ablenken, die Klasse zu halten», betonte der Manager. Ob Babbel da genauso denkt, blieb an diesem Abend im Dunkeln.

Offenbar sind Details und Vorstellungen zwischen Preetz und Babbel, dessen Familie weiter in München lebt, hinsichtlich der kommenden Spielzeiten auch noch nicht besprochen worden. «Zuerst geht es um die grundsätzliche Entscheidung, dann um Inhalte», verriet der Manager den aktuellen Stand in Sachen Vertragsgespräche. In aller Ruhe und abseits der Hektik im Tagesgeschäft soll nun in der Winterpause bis zum Rückrundenstart am 21. Januar in Nürnberg die Babbel-Frage geklärt werden. «Es ist ein Überlegungsprozess. Hertha BSC ist sein Ansprechpartner, er spricht nicht mit anderen Vereinen», sagte Preetz den Mitgliedern.

Die waren damit fühlbar unzufrieden. «Entweder man bekennt sich zu Hertha oder nicht», monierte lautstark einer der inzwischen 28 500 Hertha-Mitglieder. Den 39-jährigen Babbel, der sich nach dem Aufstieg ein Hertha-Tattoo in den Oberarm stechen ließ, wird das kaum beeinflussen. Der 39 Jahre alte Fußball-Lehrer vertritt seit seinem Amtsantritt in Berlin im Sommer 2010 seinen Kurs gegenüber Spielern, Verein und Fans - ohne sich zu verbiegen. Auch jetzt wird er sich nicht unter Druck setzen lassen.