Die CARS sind wieder da!

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Finn McMissile ist in Lebensgefahr. Der Spion funkt einen Notruf an sein Hauptquartier. "Identifizieren Sie sich", wird der britische Top-Agent aufgefordert. "Ein Karmann-Ghia ist nicht wassergekühlt", flüstert McMissile die geheime Losung. "Finn", fragt daraufhin eine besorgte Stimme, "wo stecken Sie?" Wer denkt sich so etwas aus? Autos als Spione. Autos als Bösewichte. Autos, die Helden sind, Feiglinge, Verliebte. Autos, trottelig, arrogant oder so brutal, dass sie andere Autos foltern. "Die Welt der 'Cars'", sagt der Regisseur John Lasseter und streicht über sein mit bunten Autos bedrucktes Hemd, "ist so groß wie unsere Welt. Mit allem, was dazugehört."

Emeryville, Kalifornien. Hier, in den Pixar Studios, entstand der computeranimierte Film "Cars", der seit 2006 über 460 Millionen Dollar einspielte und den Golden Globe gewann. Von hier kommt auch die Fortsetzung - "Cars 2": Agentenfilm, Motorsport-Spektakel, lustig, spannend, anrührend und mit einer Liebe zum automobilen Detail wie kein Film vor ihm. Das ganze natürlich auch in 3-D. Im Mittelpunkt steht wieder der Rennwagen Lightning McQueen, der nun in der neuen Rennserie World Grand Prix antritt, deren Rennen in Tokio, London und an der Italienischen Riviera stattfinden. Dabei fährt unser Held unter anderem gegen ein arrogantes italienisches Formel 1-Auto, gegen ein französisches Rallyeauto und einen deutschen Tourenwagen. Parallel dazu wird McQueens Freund, der rostige Abschleppwagen Hook, unfreiwillig in eine Spionagestory verwickelt, in der Geheimagent McMissile seinen fiesem deutschen Gegenspieler Professor Z auf den Fersen, besser: den Hinterreifen, ist.

AUTO BILD hat exklusiv hinter die Kulissen von Pixar/ Disney schauen dürfen und mit jenen Menschen gesprochen, die die "Cars" zu Stars machen. Menschen wie Jay Shuster (40). Shuster, Schirmmütze und XXL-Koteletten, ist der Art Director von "Cars 2", und es wäre untertrieben, ihn als "Car Guy", als Autoverrückten, zu bezeichnen. Er stammt aus Detroit, sein Vater war 34 Jahre lang Autodesigner bei GM. Shuster ist der Schöpfer von Finn McMissile und vielen anderen Film-Figuren. Sein Agent aus Blech wurde inspiriert von britischen Coupés der 60er. Zwei Wochen reiste Shuster um die Welt, um sich Autos auf den Straßen anzuschauen, die Reise führte ihn auch nach München und zum Formel 1-Rennen nach Monaco. "Für Teil 2 brauchte Lightning McQueen ein Facelift", sagt Shuster. Das 750-PS-Auto bekam unter anderem neue Räder, neue (diesmal echte) Scheinwerfer und ein neues Flammendesign. Drei Monate dauerte allein diese Arbeit.

Doch die Unterschiede zwischen Teil eins und "Cars 2" sind gravierender. War der erste Film, der weitgehend im beschaulichen Radiator Springs an der Route 66 spielte, vor allem lustig, so ist die Fortsetzung heftiger: Autos werden gefoltert, Autos werden verletzt, Autos sterben. "Eben wie im echten Leben", sagt John Lasseter dazu nur. Der Regisseur ist ein Perfektionist, vor allem wenn es um Autos geht. "Fast jeder Mensch auf der Welt sieht jeden Tag Autos auf der Straße. Sie wissen, wie sie sich bewegen, sie kennen die Reflexionen auf dem Blech. Wir können unseren Zuschauern da nichts vormachen." Also wurde so lange computeranimiert, bis schwere Autos auch schwer wirkten und Rennautos leicht. Jede Bremsbewegung, jedes Motorengeräusch musste stimmen.

Hinzu kommt, was sie bei Pixar eine "carification" der Welt nennen: Die Architektur in London, Tokio oder Paris wurde in die Welt der "Cars" transferiert. Mit der Akribie von Bombenentschärfern machen die Pixar-Zauberer aus Big Ben einen Big Bentley oder setzen dem Eiffelturm eine Zündkerze auf. Man muss den Film schon dreimal sehen, um alle Details zu entdecken. Der Aufwand ist enorm. Obwohl bei Pixar die schnellsten Rechner der Welt stehen, geht die Arbeit nur langsam voran. Der Würzburger Michael Honsel (26) arbeitet an einer Zwei-Sekunden-Szene eine ganze Woche. Honsel ist seit drei Jahren bei Pixar und einer von drei Deutschen im Team. Er hat Digitale Filmproduktion gelernt und erstellt für den Film am Computer die Figuren. Für ihn ist es trotz einer 45-Stunden-Woche ein Traumjob: "Die Atmosphäre ist super, die Arbeit macht Spaß, das Gehalt ist gut."So sehen das auch der Hamburger Saschka Unseld (34) und Tanja Krampfert, die ihren Teil zu "Cars 2" beigetragen haben. Krampfert (34), die aus Karlsruhe stammt und Kommunikationsdesign studiert hat, ist über den Film sogar "ein bisschen zum Auto-Freak" geworden. Jene Figur, die sie zum Leben erweckte, ist Holley Shiftwell, Assistentin von Finn McMissile. "Es war großartig, immer direkt mit dem Regisseur zu arbeiten", sagt Tanja, die schon am nächsten Projekt sitzt. Und bald vielleicht auch an "Cars 3". Lasseter verrät offiziell nichts, aber bei Pixar wissen sie alle, dass der Chef die nächste Story längst im Kopf hat. Am 28. Juli 2011 also kommt "Cars 2" in die Kinos: ein unglaublicher Film, nicht nur für Autofans. Und voller Überraschungen. Die fulminante erste Szene spielt dort, wo man nun wirklich keine Autos erwartet - auf hoher, stürmischer See.

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