Umfrage

Berlin Trend: Wähler aller Parteien mögen Franziska Giffey

Die Anhänger der Grünen und der CDU bewerten die designierte SPD-Spitzenkandidatin besser als das eigene Personal.

Wem die Berliner zutrauen, ein/e gute/r Regierende/r Bürgermeister/in zu werden.

Wem die Berliner zutrauen, ein/e gute/r Regierende/r Bürgermeister/in zu werden.

Foto: C. Schlippes/BM Infografik

Für die Strategen in der Berliner SPD bedeutet die aktuelle Umfrage des Berlin Trends einen Nackenschlag. Von der Bundesebene kommt durch die frühzeitige Kür des Kanzlerkandidaten Olaf Scholz kein Rückenwind für den Landesverband. Und der Konfrontationskurs zu den Grünen in Berlin mit der im Senat gestoppten Vorlage für mehr Klimaschutz und zur Fortsetzung der Verkehrswende hat eher den Ökos geholfen als den Sozialdemokraten. Auf 15 Prozent ist die SPD nach einem Verlust von fünf Prozentpunkten im Vergleich zum Monat April abgestürzt. Die Grünen haben im gleichen Umfang zugelegt und ziehen nun mit 26 Prozent als deutlich stärkste politische Kraft der Stadt ihre Kreise.

Kai Wegner halten neun Prozent für einen guten Bürgermeister

Gleichzeitig können die von Infratest dimap im Auftrag der Berliner Morgenpost und der RBB-„Abendschau“ ermittelten Werte von den führenden Sozialdemokraten als Bestätigung ihres Kurses der personellen Erneuerung gelesen werden. Franziska Giffey, die erst Parteichefin und dann Spitzenkandidatin für die Berliner Wahl im Herbst 2021 werden soll, kommt beim Volk offenkundig gut an. 51 Prozent halten die Bundesfamilienministerin für eine gute Regierende Bürgermeisterin. Über den CDU-Landeschef Kai Wegner sagen das neun Prozent, über Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) 16 Prozent.

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Im eigenen Lager der SPD-Anhänger sind das sogar 71 Prozent. Die Frage ist nun, ob es Giffey gelingt, ihre positiven Werte auf ihre Partei zu übertragen. Immer deutlicher zeigt sich, dass die frühere Neuköllner Bürgermeisterin vom rechten Flügel der SPD so etwas wie die letzte Hoffnung für den mehrheitlich stramm linken Landesverband darstellt. In der zahlenmäßig starken Wählergruppe der über 65-Jährigen halten fast zwei Drittel (63 Prozent) Giffey für eine gute Wahl für das Rote Rathaus.

Für Giffey spricht auch, dass sie vergleichsweise wenige negative Reaktionen auslöst. 23 Prozent meinen, sie könnte keine gute Senatschefin sein. Bei Pop meinen das 46 Prozent. 23 Prozent ist auch der Anteil derjenigen, die sich noch keine Meinung zu der Familienministerin bilden können. Hier hat die SPD also noch weiteres Mobilisierungspotenzial. Hilfreich für einen auf Giffey zugeschnittenen, personalisierten Wahlkampf könnte die große Sympathie sein, die die 42-Jährige bei den Wählern anderer Parteien genießt. Im Lager der CDU-Anhänger finden 58 Prozent Giffey gut. Wähler der Linken schätzen die gebürtige Brandenburgerin zu 59 Prozent als positiv ein, unter den Grünen sind es 55 Prozent, im kleinen FDP-Lager 46 Prozent. Und sogar jeder fünfte AfD-Anhänger (19 Prozent) wird von Giffey angesprochen.

Ramona Pop wird auch von Grünen kritisch gesehen

Gäbe es in Berlin eine personalisierte Wahl der Regierenden Bürgermeisterin, würde Franziska Giffey mit riesigem Vorsprung ins Wahljahr starten. Zwar ist es offiziell noch nicht entschieden, wen Grüne und CDU als Spitzenkandidaten ins Rennen ums Rote Rathaus schicken. In der Union läuft es aber auf den Landesvorsitzenden Kai Wegner zu. Bei den Grünen, so heißt es aus der Partei, werde Wirtschaftssenatorin Ramona Pop die Frontfrau sein. Der Berlin Trend hat darum diese drei Personen gegeneinander gestellt und erhoben, was die Menschen von ihnen halten.

Auffällig ist, dass die Sozialdemokratin auch im Lager von CDU und Grünen größere Sympathien genießt als die eigenen möglichen Bewerber. Kai Wegner halten nur 21 Prozent der CDU-Anhänger für einen guten Bürgermeister, 17 Prozent sind anderer Meinung. Weil aber fast 60 Prozent der CDU-Wähler den Landeschef nicht einschätzen können, gibt es hier im Wahlkampf noch Luft nach oben.

Von den Grünen-Fans halten 26 Prozent Pop für eine gute Regierende Bürgermeisterin. Aber die Gruppe derjenigen im eigenen Umfeld, die Pop für das Amt für nicht geeignet halten, ist mit 28 Prozent sogar noch ein bisschen größer. Angesichts dieser Werte wundert es nicht, dass sich die Grünen mit der Kür ihrer Spitzenkandidatin schwer tun. Wobei niemand weiß, wie die Konkurrentin Antje Kapek, Fraktionschefin im Abgeordnetenhaus, abschneiden würde. 43 Prozent der Grünen-Sympathisanten können sich zu Pop noch keine Meinung bilden oder kennen sie nicht. Offenbar werden die Grünen in Berlin weitgehend ohne Ansehen der handelnden Personen gemocht. Anders ist die Diskrepanz zwischen den Rekordwerten der Sonntagsfrage und dem mäßigen Abschneiden der seit Langem in vorderster Linie der Landespolitik agierenden Spitzenfrau kaum zu erklären.