Prozess

Versuchte Anstiftung zum Mord: Angeklagter leugnet Pläne

Ein verurteilter Manager soll aus der Haft heraus zwei Morde in Auftrag gegeben haben. Seit Dienstag steht er erneut vor Gericht.

Hat der ehemalige Manager Michael K. gleich zweimal versucht, einen Auftragsmörder zu engagieren oder sind die Vorwürfe Erfindungen von Mitgefangenen? Mit dieser Frage muss sich seit Dienstag eine Schwurgerichtskammer des Landgerichts befassen. Die Berliner Staatsanwaltschaft wirft dem 43-jährigen K. versuchte Anstiftung zum Mord vor.

Michael K. war mal ganz oben und ist tief gefallen. Bis 2014 agierte er als Geschäftsführer einer großen Textildiscounter-Kette. Dann veruntreute er die Summe von 3,7 Millionen Euro und wechselte vom komfortablen Managerbüro in eine spartanische Gefängniszelle und wurde ein Jahr später rechtskräftig zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

2016 soll er in der Haftanstalt Moabit versucht haben, den Mitgefangenen W. dazu zu bewegen, für die Ermordung eines Belastungszeugen aus dem vorangegangenen Prozess zu sorgen. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, der Angeklagten sei davon ausgegangen, dass der Mithäftling über die nötigen Kontakte ins hochkriminelle Milieu verfügte und in der Lage sei, den von K. gewünschten Mord veranlassen zu können.

JVA Tegel: Es sollte wie ein Unfall aussehen

Ob W. tatsächlich über derartige Kontakte und Möglichkeiten verfügt, blieb unklar, genutzt hat er sie jedenfalls nicht. Stattdessen informierte er die Gefängnisleitung über das Ansinnen des Ex-Managers. Der Anklage zufolge muss dieser „Vertrauensbruch“ Michael K., inzwischen in die JVA Tegel umgezogen, derart erzürnt haben, dass er beschloss, auch den treulosen W. umbringen zu lassen. Zu diesem Zweck soll er versucht haben, den Mithäftling A. anzuwerben. Killer 2 sollte somit Killer 1 aus dem Verkehr ziehen.

Den Ermittlungen zufolge soll der Angeklagte sich selbst bereits Gedanken über die geplante Ermordung gemacht haben. Entsprechende Vorschläge unterbreitete er dem Mithäftling A. So sollte dieser dafür sorgen, dass W. in der Dusche angegriffen und getötet wird und das Ganze anschließend wie ein Unfall aussieht. Aber K. hatte mit seinem Plan zum zweiten Mal Pech, auch A. zog es vor, sich der Anstaltsleitung und den Behörden anzuvertrauen.

Prozess vor dem Landgericht Berlin: Angeklagter sagt, er sei erpresst worden

Es war alles ganz anders, erklärte der Angeklagte am ersten Prozesstag. Er habe niemals einen Mord in Auftrag gegeben, sei aber mehrfach von Mitgefangenen erpresst worden. In der Haftanstalt, einem Ort wo nichts verborgen bleibt, muss sich offenbar schnell herumgesprochen haben, dass K. einen Millionenbetrag beiseite geschafft hat. An das Geld wollten einige Mitgefangene offenbar ran. Sie hätten ihn unter anderem mit falschen Vorwürfen gedroht und dies dann ganz offensichtlich in die Tat umgesetzt, so die Darstellung des Angeklagten.

Die Staatsanwaltschaft hält allerdings ihre Version für die Richtige. Und verweist darauf, dass der Angeklagte auch in früheren Fällen nicht zimperlich war. So soll Michael K. während seines Prozesses um die Veruntreuung der 3,7 Millionen Euro geplant haben, den vorsitzenden Richter zu entführen, um so einen Freispruch zu erlangen.

In dem aktuellen Verfahren wird die Verhandlung am Dienstag kommender Woche fortgesetzt.