Drohende Schließung

Privater Investor soll Bahnwerk in Eberswalde retten

Dem Instandsetzungswerk in Eberswalde drohte die Schließung. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke intervenierte - mit Erfolg.

Mitarbeiter des Bahnwerks Eberswalde nehmen an einer Mahnwache für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze am 05.10.2015 auf dem Potsdamer Platz in Berlin (Deutschland) vor der Bahn-Zentrale teil und halten dafür ein Transparent mit der Aufschrift "Wir kämpfen für unsere Arbeitsplätze!" in die Höhe. Foto: Jörg Carstensen/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Mitarbeiter des Bahnwerks Eberswalde nehmen an einer Mahnwache für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze am 05.10.2015 auf dem Potsdamer Platz in Berlin (Deutschland) vor der Bahn-Zentrale teil und halten dafür ein Transparent mit der Aufschrift "Wir kämpfen für unsere Arbeitsplätze!" in die Höhe. Foto: Jörg Carstensen/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin/Eberswalde.  Es gibt nicht mehr allzu viele Produktionsbetriebe in der einstigen Industriestadt Eberswalde (Barnim). Um so lautstarker fielen daher die Proteste von Beschäftigten und Ortspolitikern aus, als die Deutsche Bahn vor gut einem Jahr bekannt gab, dass traditionsreiche Instandsetzungswerk in der Barnimer Kreisstadt schließen zu wollen. Es drohte das Ende von 90 Jahren Eisenbahngeschichte, rund 500 Mitarbeiter sorgten sich um ihre Arbeitsplätze.

Nun keimt jedoch neue Hoffnung. Bei einem Krisentreffen am Montagabend im Bahntower am Potsdamer Platz in Berlin haben sich Bahnchef Rüdiger Grube und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) darauf verständigt, bis Ende Oktober eine Alternative zur Schließung des Werks zu suchen. Ziel sei es, den Standort zu erhalten und einen Teil der Arbeitsplätze zu sichern, sagte eine Bahnsprecherin am Dienstag.

Verhandlungen laufen schon

Helfen soll ein privater Investor, mit dem die Deutsche Bahn bereits im Gespräch ist. Einzelheiten wollte die Bahnsprecherin mit Rücksicht auf die laufenden Verhandlungen nicht nennen. Nach Informationen des RBB soll es sich bei dem möglichen Investor um die Deutsche Eisenbahn Service AG (Desag) handeln. Das Unternehmen mit Sitz im brandenburgischen Putlitz befasst sich nach eigenen Angaben mit der Wartung und Instandhaltung von Schienenfahrzeugen und Waggons, es vermietet Fahrzeuge zudem an Dritte.

Es sei nun zumindest möglich, den Standort und einen Teil der Arbeitsplätze zu sichern, sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der DB Fahrzeuginstandhaltung, Jens Schwarz, am Dienstag. Für das Werk gebe es wieder eine realistische Chance, betonte der stellvertretende Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Klaus-Dieter Hommel.

Betriebsrat erarbeitet Alternativkonzepte

Vor einem Jahr hatte die Bahn die Schließung des Werkes für Ende 2016 angekündigt. Hintergrund ist die sinkende Zahl von Reparaturen bei Güterwaggons, auf die sich das 1924 gegründete Werk in Eberswalde spezialisiert hat. Das Bahnwerk zählt zu den traditionsreichsten und größten Arbeitgebern der Region. Die Zahl der Mitarbeiter sank bereits in den vergangenen Monaten von 500 auf rund 360. Kollegen seien in Rente oder Altersteilzeit gegangen oder hätten andere Jobs im Konzern angenommen, hatte der Betriebsratsvorsitzende Ulf Boehnke gesagt.

Die Arbeitnehmervertreter hat ein eigenes Konzept zur Rettung des Werkes erarbeitet. So wollten sie auch die Wartung und Reinigung von Kesselwagen übernehmen, die von der Erdöl-Raffinerie in Schwedt/Oder eingesetzt werden. Auch die Übernahme der Instandhaltung von Fahrzeugen für private Bahn-Konkurrenten war im Gespräch. Die Vorschläge wurden jedoch von der Konzernspitze nicht angenommen.

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