Politik

Berlin ist auf dem Weg

Kinderbetreuung in Berlin boomt. Nie nutzten mehr Eltern die Möglichkeit, ihr Kind in einer Kita oder einer anderen Tagespflege unterzubringen als derzeit. Jedes zweite Kind unter drei Jahren wird bereits außerfamiliär betreut, bei den älteren Kindern herrscht fast Vollversorgung. Diese Entwicklung hat sich in den vergangenen Jahren abgezeichnet. Die Vereinbarung von Familie und Beruf hat sich als gesellschaftliches Modell durchgesetzt, immer mehr Frauen drängen trotz einer Familiengründung in den Beruf. In Städten wie Berlin, Hamburg oder Frankfurt ist das längst kein Diskussionspunkt mehr – anders als in Bayern, wo so vehement an dem umstrittenen Betreuungsgeld festgehalten wird.

Gleichzeitig ziehen immer mehr junge Familien in die Stadt. Anders als in anderen Kommunen oder Landkreisen, vollzieht sich der demografische Wandel in Berlin noch nicht. Im Gegenteil: Der Bedarf an Kitas und Schulen steigt weiter an. Berlin wächst jedes Jahr um eine mittlere Kleinstadt. Ein Ende dieser Entwicklung ist derzeit nicht abzusehen.

Nun hat die Bertelsmann Stiftung festgestellt, dass trotz aller Bemühungen des Senates die Betreuungsquote in Berlin schlechter ist als anderswo. In den vergangenen zehn Jahren wurden zwar fast 10.000 Kita-Fachkräfte zusätzlich eingestellt, dennoch hinkt der Betreuungsschlüssel in den Krippen der Entwicklung hinterher. Das ist bedauerlich – aber dem rasanten Umschwung Berlins der vergangenen Jahre geschuldet. Erstmals liegt der Bildungsetat in den kommenden zwei Jahren über fünf Milliarden Euro. Jeder fünfte Euro fließt in den Bildungssektor, von der Kita bis zur Universität. Berlin sollte sich also über die Kritik aus der Bertelsmann-Studie nicht allzu sehr grämen.

Denn ein weiteres Ergebnis der Studie lautet: Überall zeigen die Anstrengungen Wirkung. Die Situation verbessert sich in allen Ländern – auch in Berlin. Der Betreuungsschlüssel gleicht sich an die von der Stiftung empfohlenen Werte an. Das Erreichte ist nicht das Erreichbare, aber Berlin hat sich sichtbar auf den Weg gemacht. Das ist die gute Nachricht aus der Bertelsmann-Studie.

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