Griechenland-Urlaub

Warum Berliner weiterhin in Griechenland Urlaub machen

In diesen Tagen brechen - trotz Krise - viele Berliner nach Griechenland auf. Die Morgenpost hat mit einigen von ihnen gesprochen.

Katharina Lorenz aus Dresden in Tegel vor ihrem Abflug nach Athen. Große Sorgen macht sie sich nicht

Katharina Lorenz aus Dresden in Tegel vor ihrem Abflug nach Athen. Große Sorgen macht sie sich nicht

Foto: David Heerde

Katharina Lorenz hat sich gut auf ihre Reise vorbereitet. Am Donnerstag steht sie am Schalter A07 im Flughafen Tegel, für sie geht es los nach Athen. Flug A3853 startet um 16.05 Uhr. „Ich habe die Entwicklungen in Griechenland ziemlich genau verfolgt und jeden Tag Nachrichten gelesen“, sagt sie. Gespannt sei sie außerdem, was sie in dem krisengeschüttelten Land erwarte – aber Angst habe sie nicht. Nur etwas mehr Bargeld hat Lorenz eingepackt. Und dass, obwohl die Maximalsumme von 60 Euro am Bankautomaten pro Tag eigentlich nicht für Touristen gilt.

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Zwei reist Lorenz wegen eines Theaterfestivals beruflich nach Athen – doch auch Touristen aus Deutschland und Berlin lassen sich ihre Reisefreude durch die aktuelle Krise nicht trüben. Für die aktuelle Saison ist die Touristik-Branche deshalb gelassen – jedenfalls noch. Nach den Rekorden, die Veranstalter von Hellas-Urlauben 2014 vermerkten, meldete der Deutsche Reiseverband (DRV) auch Anfang dieser Woche Buchungszahlen für den Sommer 2015 auf Vorjahresniveau.

Lufthansa und Air Berlin fliegen weiter

Zwischen 200.000 und 250.000 deutsche Gäste verbringen demnach derzeit ihren Urlaub in dem Mittelmeerland. Nach Angaben der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr in Frankfurt (Main) landeten von Januar bis April dieses Jahres inklusive Geschäftsreisende 202.800 Fluggäste aus Deutschland in Griechenland. Das waren knapp 20 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

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Lufthansa und Air Berlin wollen ihr Flugprogramm nach Griechenland deshalb auch unverändert beibehalten. „Griechenland ist ein attraktives Urlaubsland mit einer guten touristischen Infrastruktur. Die Deutschen und die Europäer werden auch weiterhin dorthin fliegen“, so Air-Berlin-Chef Stefan Pichler. Reiserücktritte für in den kommenden Wochen gebuchte Urlaube gebe es nicht, teilte die TUI, nach eigenen Angaben Marktführer bei Pauschalreisen in das sonnenverwöhnte Land, gegenüber der Berliner Morgenpost mit. „Bisher hat bei uns niemand seine Reise storniert oder nach einer Umbuchung gefragt“, bestätigte auch Beate Arnold, Geschäftsführerin der Berliner First Travel GmbH in Mitte. Ähnlich auch die Situation beim zweiten Branchenriesen Thomas Cook.

Rückgang bei Last-Minute-Reisen

Dass Fans der Urlaubsidylle in Weiß und Blau jetzt trotzdem innehalten, schlägt sich bei den jüngsten Buchungszahlen nieder. „Es gibt seit dieser Woche eine leichte Zurückhaltung bei Neubuchungen“, sagte Thomas Cook-Sprecher Christian Schmicke. Der Griechische Tourismusverband meldete am Mittwoch dann, dass die Zahl der Last-Minute-Abschlüsse für Griechenlandreisen „dramatisch eingebrochen“ sei. Jede fünfte Ferienreise nach Hellas sei eine Last-Minute-Entscheidung, der Rückgang seit dem Referendum am 5. Juli liege bei rund 30 Prozent.

Etwas Sorgen macht sich auch eine Frau, die am Donnerstag ebenfalls in der Schlange für den Athen-Flug in Tegel steht. Sie will in Griechenland Urlaub machen und auch sie hat mehr Bargeld mitgenommen, als zunächst geplant. „Ich habe vor, mich als Französin auszugeben. Ich fürchte, dass Deutsche in Griechenland derzeit nicht so willkommen sind.“

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Stärker als Anbieter von Pauschalurlauben bekommen Reisebüros für Individualtouristen jetzt die Delle zu spüren. „Die Häuser, die ich anbiete, sind für diesen Sommer eigentlich alle ausgebucht“, sagt zwar Karin Maimanakos vom Romios Reisebüro in Charlottenburg. Auch Thomas Kunert, Inhaber des Reisebüros „Griechenlandreise“ in Hennigsdorf, stellt fest, dass „die Neunachfrage extrem nachgelassen“, habe. „Wer jetzt noch keinen Flug gebucht hat, der wartet erst einmal ab.“ Dafür melden sich bei ihm Kunden gebuchter Reisen mit ihren Sorgen, wie sie möglichen Engpässen und Einschränkungen im Urlaubsland vorbeugen können. Er tue den ganzen Tag über kaum noch etwas anderes, als Bestandskunden zu beraten, so Kunert. „Die Hauptfrage dreht sich natürlich ums Geld“, sagte Karin Maimanakos. Daneben gebe es Skepsis, ob im Krankheitsfall alle Medikamente problemlos zu bekommen sein werden, ob Fähren regelmäßig fahren und Tankstellen ausreichend beliefert würden.

Sorge um Griechenlands Jugend

Thomas Kunert weiß jedoch selbst nicht, was er raten soll. Der griechische Tourimusverband bestätigte bereits vereinzelte Probleme beim Bargeld. Ein Fall, wo es in einer Bankfiliale kein Euros für Touristen gab, sei ihm zwar nicht bekannt, sagte Kunert. Lediglich an EC-Terminals könne es teilweise schwierig werden. Unklar sei vielen Reisenden zudem, wie sich die Situation bei einem Scheitern der Verhandlungen zwischen Athen und den europäischen Geldgebern entwickle. „Niemand weiß, ob die Versorgung mit Benzin dann gesichert ist. Denn das wird importiert“, so Kunert. Eine Energieknappheit werde Auswirkungen auf die Versorgung mit anderen Gütern haben. Ebenso unklar seien die Folgen einer Staatspleite für den öffentlichen Sektor. Anders als die Fähren, die unter privater Flagge fahren, sei das Busnetz in staatlicher Hand.

Anja Thome, die mit ihrer Familie am Donnerstag ebenfalls nach Athen fliegt, sorgt sich weniger um sich selbst, sondern vor allem um die Griechen. „Es macht mich traurig, dass die Jugend dort so wenig Perspektiven hat“, sagt sie. Sie hat sich vor allem eines vorgenommen: „Offen auf alle Menschen zuzugehen.“