Bundesliga

Wurde etwa auch Joachim Löw gedopt?

Erstmals wurden Beweise für die Verabreichung von Anabolika bei den Bundesligisten VfB Stuttgart und SC Freiburg in den 80er-Jahren gefunden. Damals spielte dort der heutige Bundestrainer Joachim Löw.

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Dem deutschen Sport droht ein Doping-Skandal mit bisher unbekanntem Ausmaß – erstmals steht auch der Profi-Fußball im Fadenkreuz: Die Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin, die sich mit der Doping-Vergangenheit an der dortigen Universität beschäftigt, hat Beweise für flächendeckendes Doping im Radsport sowie für die Verabreichung von Anabolika bei den Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart und SC Freiburg gefunden.

Diese gehen aus den gut 60 „Klümper-Akten“ hervor, die sich mit dem abgeschlossenen Betrugsverfahren gegen den damaligen Leiter der Sporttraumatologischen Spezialambulanz Armin Klümper befassen. „Erstmals“ sei der „sichere Befund möglich, dass Anabolikadoping auch im Profi-Fußball eine signifikante Rolle spielte“, schrieb die Evaluierungskommission.

In den „späten 1970er und frühen 1980er Jahren“ sei beim Bundesligisten aus Stuttgart „im größeren Umfang“ und „wenn auch nur punktuell nachweisbar“ auch beim damaligen Zweitligisten aus Freiburg Anabolikadoping vorgenommen worden. Die Schlüsselfigur ist Klümper, es geht vor allem um das Anabolikum Megagrisevit, das auch von der von Klümper behandelten und 1987 verstorbenen Leichtathletin Birgit Dressel zeitweise eingenommen wurde.

Zuordnung zu Spielern nicht möglich

Die Erkenntnisse werfen einen dunklen Schatten auf beide Vereine, für die in dem genannten Zeitraum auch der heutige Bundestrainer Joachim Löw gespielt hatte. Die Kommission hielt in ihrem Zwischenbericht aber ausdrücklich fest, „dass eine Zuordnung von Medikationen an einzelne, konkret zu benennende Spieler nach Auswertung der Akten der Staatsanwaltschaft Freiburg nicht möglich ist“.

Der SC Freiburg spielte damals in der zweiten Liga, der VfB Stuttgart befand sich mit Spielern wie Bernd und Karlheinz Förster, Hansi Müller, Karl Allgöwer oder Rainer Adrion auf dem Höhenflug und wurde 1984 deutscher Meister. Der heutige Bundestrainer Joachim Löw war damals bei beiden Klubs als Spieler aktiv: 1978 bis 1980 sowie 1982 bis 1984 in Freiburg, 1980/81 in Stuttgart.

Professor Klümpers Arbeit wurde von den Klubs finanziert

Die Kommission betonte: „Gezeigt werden können erstmalig die Strukturen des Dopings im Fußball am Beispiel der hauptverantwortlichen Mitwirkung von Prof. Dr. Klümper inklusive der Finanzierung solcher Aktivitäten durch die Vereine.“

„Wenn’s Spitz auf Knopf ging, da haben wir gesagt: ‚Mensch Professor, ich muss am Samstag wieder ran.‘ Da hat man auch mal was Unvernünftiges gemacht“, hatte Karlheinz Förster unlängst in einer SWR-Dokumentation gesagt.

Beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) fand „Doping vor allem mit anabolen Steroiden in den Jahren zwischen 1975 und 1980 nicht nur in fast flächendeckender Manier auf Veranlassung Klümpers statt“, schrieb die Kommission: „Dieses Doping wurde, wie hier erstmals bewiesen werden kann, auch vom BDR aus einem eigenen 'Ärzteplan' finanziert. Dabei ist derzeit nicht auszuschließen, dass auch Minderjährige Dopingmittel erhalten haben könnten.“

Doping „zentral organisiert und finanziert“

Die neuen Erkenntnisse zum Doping im BDR und im Profi-Fußball wurden in einem etwa 60-seitigen Sondergutachten zusammengefasst. Die Evaluierungskommission werde in den nächsten Wochen darüber beraten, ob sie diesen Text als Zwischenbericht gegebenenfalls vor Abschluss sämtlicher Arbeiten veröffentlichen will, hieß es in einer Stellungnahme.

Mit den Ermittlungen sei der Nachweis möglich, „dass Doping in der Bundesrepublik Deutschland keineswegs nur der individuellen Verantwortung einzelner Sportler überstellt war, sondern dass es über einzelne Sportverbände oder Sportvereine mitunter zentral organisiert und finanziert wurde“, hieß es.