Treffpunkt der Moderne

„Größenwahn“ im Café des Westens

| Lesedauer: 2 Minuten

Foto: pa/dpa Themendie/dpa Themendienst

Das Café des Westens, auch „Café Größenwahn“ genannt, war ein Berliner Künstlerlokal, das sich von 1898 bis 1915 am Kurfürstendamm 18/19, Ecke Joachimstaler Straße, dem heutigen Kranzler-Eck, in Berlin-Charlottenburg befand.

Das Gebäude wurde in den 1890er-Jahren als repräsentatives Wohnhaus im Stil des Historismus erbaut. 1893 eröffnete dort das „Kleine Café“, das seinerzeit das erste Caféhaus am Kurfürstendamm war. 1898 wurde es dann in „Café des Westens“ umbenannt und hatte sich zum Treffpunkt der Bohème entwickelt. Aber auch bürgerliche Kreise fanden es schick, sich in dem angesagten Café zu treffen.

Künstler, Journalisten und Theatermacher trafen sich dort, das Kaffeehaus galt als Geburtsstätte des deutschen Kabaretts. Max Reinhardt und Christian Morgenstern gingen dort ein und aus. Die Idee zur Dreigroschenoper wurde im Café in die Welt gesetzt. Und Friedrich Hollaender komponierte „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“. Das „Café Größenwahn“ war auch berühmt für die mondänen Frauen, die hier den neuesten Pariser Chic und ihre emanzipierte Lebensweise vorführten.

In den letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg wurde das „Café Größenwahn“ zum Mittelpunkt der literarischen Bewegung des deutschen Expressionismus. Besitzer Ernst Pauly zog 1913 in den Neubau „Union Palast“, Kurfürstendamm 26, um. Dort gründete er das neue Café des Westens als Konzert-Café. Am alten Ort existierte das Café weiter bis 1915. Die Künstler jedoch zogen nicht in das neue Café um, es war das Ende des „Cafés Größenwahn“ als literarischer Treffpunkt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Romanische Café an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zum neuen literarischen Zentrum Berlins. 1932 eröffnete das Café Kranzler in den ehemaligen Räumen eine Filiale. Im April 1945 wurde das Gebäude zerstört.

( BM )