Tod mit 96 Jahren

Erfinder der Couch-Potato

Ohne Eugene Polley gäbe es keinen gemütlichen TV-Abend.

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Der Amerikaner Eugene Polley entwickelte 1955 die erste kabellose Fernbedienung für Fernseher - Alle Couch-Potatos sollten ihren Fernseher für einen Moment stumm schalten und innehalten. Denn es ist der Mann gestorben, ohne den ein gemütlicher Fernsehabend gar nicht möglich wäre: Der Amerikaner Eugene Polley erfand in den 50er-Jahren die erste kabellose Fernbedienung. Im Alter von 96 Jahren starb er am Sonntag in einem Krankenhaus in der Nähe von Chicago, wie sein ehemaliger Arbeitgeber mitteilte, die US-Elektronikfirma Zenith.

Polleys "Flash-Matic" erinnert auf den ersten Blick eher an einen Föhn als an die heutigen Fernbedienungen. Und doch war der kleine Apparat bei seinem Debüt im Jahr 1955 eine Sensation. Ab nun brauchte niemand mehr von seinem Sessel aufzustehen, wenn er das Programm umschaltete.

Dabei dürfte Polley kaum geahnt haben, wie sehr seine Erfindung den Alltag der Menschheit verändern sollte - das gilt besonders im Zeitalter von Hunderten Programmen und Internetanschluss bei modernen Fernsehern. Im Jahr 1997 bekamen er und sein Kollege Robert Adler für ihre bahnbrechenden Ideen einen Emmy Award verliehen, die begehrteste Auszeichnung in der Fernsehwelt, um die sonst bekannte Serien wie "Two and a Half Men" oder "CSI" buhlen.

Polley wurde 1915 in Chicago geboren und fing 1935 bei der Zenith Radio Corporation an. Er erlebte, wie das Fernsehen zum Massenmedium wurde, zuerst in Schwarz-Weiß, dann in Farbe. Insgesamt meldete Polley in seinen 47 Berufsjahren 18 US-Patente an. Er arbeitete an Autoradios genauso mit wie an der Video-Disc, dem Vorläufer von DVD.

Die Flash-Matic blieb aber seine wichtigste Erfindung. "Ein Schein magischen Lichts aus der anderen Ecke des Raumes schaltet den Fernseher ein, aus oder ändert die Kanäle - und Sie bleiben bequem in Ihrem Sessel sitzen", warb die Zenith Radio Corporation damals für die Neuerung. Der Ton ließ sich ebenfalls wie von Geisterhand abstellen.

Im Grunde war die Flash-Matic nicht viel mehr als eine Taschenlampe: Sie sendete einen Lichtstrahl aus, mit dem der Zuschauer auf einen von vier Sensoren in jeder Ecke des Fernsehers zielte. Spätere Fernbedienungen benutzten Ultraschall. Bei den heutigen Geräten mit Dutzenden Funktionen ist Infrarot üblich. Doch so gut die modernen Modelle auch sein mögen und so ulkig die einstige Reklame heute wirken mag: Am Ende bauen sie aber alle auf der Idee von Eugene Polley auf. Ein großartiger Funktionsumfang war damals zudem gar nicht nötig: Zu der Zeit habe es nur drei oder vier Kanäle gegeben, merkte der Hersteller Zenith an. Das Unternehmen gehört mittlerweile zum südkoreanischen Branchenriesen LG Electronics. Innovationen in der Unterhaltungselektronik kommen mit wenigen Ausnahmen schon lange aus Asien. Doch was wären sie alle ohne eine Fernbedienung, die in Reichweite liegt und das lästige Aufstehen erspart?

Die Fernbedienung hatte laut Hersteller übrigens vor allem einen Zweck: Man sollte die lästige Werbung einfach abschalten können. Zumindest daran hat sich bis heute nichts geändert - denn wer ein echter Couch-Potato ist, der zappt schnell weiter, wenn Werbung kommt. Und denkt dabei heute vielleicht auch an "Vater" Eugene Polley.

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