Bundespräsident unter Druck

"Bild" bestätigt Drohanruf Wulffs bei Diekmann

Bundespräsident Wulff hat "Bild"-Chef Kai Diekmann angerufen und der Zeitung mit Konsequenzen gedroht. Das bestätigt das Blatt auf seiner Webseite.

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Bundespräsident Christian Wulff hat zwei Mal in der Redaktion der "Bild"-Zeitung angerufen. Das berichtet das Blatt auf seiner Onlineseite.

Am Abend vor Veröffentlichung der Vorwürfe im Zusammenhang mit seinem Privatkredit habe Wulff versucht, "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann persönlich zu erreichen.

Als dies misslang, sprach Wulff Diekmann auf die Handy-Mailbox. Der Bundespräsident zeigte sich darin empört über die Recherchen zum Hauskredit und drohte auch mit strafrechtlichen Konsequenzen für den verantwortlichen "Bild"-Redakteur.

Bemerkenswerte Intervention

Wulffs telefonische Intervention ist bemerkenswert, denn die "Bild"-Zeitung hatte den Bundespräsidenten vor Veröffentlichung des Artikels um eine Stellungnahme gebeten.

Diese hatte Wulff nach Angaben der Zeitung zunächst auch abgegeben, aber vor Redaktionsschluss wieder zurückgezogen. Anschließend rief Wulff Diekmann an.

Zwei Tage nach der ersten Veröffentlichung habe Wulff dann erneut angerufen und Diekmann persönlich für Ton und Inhalt der Mailbox-Nachricht um Entschuldigung gebeten. Deshalb habe sich die "Bild"-Zeitung entschlossen, nicht eigens über den Vorfall zu berichten.

Dies, so stellte die Zeitung klar, habe jedoch "keinerlei Auswirkungen auf die weiteren Recherchen in allen offenen Fragen, die sich u.a. im Zusammenhang mit dem Hauskredit stellten oder noch stellen könnten".

Anruf auch bei Mathias Döpfner

Wulff hat sich nicht nur bei der Chefredaktion der „Bild“-Zeitung, sondern auch bei der Leitung des Springer-Verlags um einen Stopp der Berichterstattung über seinen Privatkredit bemüht.

Wulff habe neben Diekmann auch beim Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, interveniert, sagte ein Sprecher des Konzerns am Montag.

Er bestätigte damit einen Bericht von „Spiegel Online“. Wulff bat Döpfner demnach, bei Diekmann Einfluss zu nehmen, damit ein Artikel über den Kredit nicht erscheine.

Doch der Konzernchef, in dessen Haus die „Bild“-Zeitung und die Medien der "WELT-Gruppe" – darunter auch Morgenpost Online – erscheinen, habe ihm in knapper Form beschieden, sich nicht in die Belange der Redaktion einmischen zu wollen.

„Wer in der Öffentlichkeit steht und ein Amt inne hat, muss auch Kritik an seinem Verhalten ertragen“, sagte DJU-Chef Ulrich Janssen Morgenpost Online.

Zur Begründung sagte Janssen: „Wenn Journalisten recherchieren und eine Veröffentlichung vorbereiten, muss die entsprechende Person dies hinnehmen. Das gilt für jeden Amtsinhaber und der Bundespräsident ist davon nicht ausgenommen.“

Außerdem sei es seine Auffassung, „dass gerade der Respekt vor dem hohen Amt es gebietet, den Bundespräsidenten kritisch zu begleiten“.

Die Stellungnahme auf "Bild.de" zum Nachlesen.