Kreidefelsen-Absturz

Suche nach verschüttetem Kind auf Rügen aufgegeben

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Neue Risse an der Steilküste am Kap Arkona erschwerten die Suche nach der Zehnjährigen, die von herabstürzenden Geröllmassen erfasst wurde. Der Einsatz wurde abgebrochen.

Für das bei einem Weihnachtsspaziergang an der Steilküste Rügens verschüttete Mädchen gibt es keine Hoffnung mehr. "Es wird nicht mehr gesucht. Die technischen Möglichkeiten sind ausgeschöpft", sagte der stellvertretende Landrat Lothar Großklaus (CDU) am Dienstagmittag nach einer Beratung mit den Rettungskräften.

Etwa 160 Helfer hatten seit Montagnachmittag am Kap Arkona im Norden der Insel pausenlos in den herabgestürzten Kreide- und Geröllmassen nach der Zehnjährigen gesucht. Die fast 20-stündige Suche in dem betonharten Gemisch blieb erfolglos. Auch Spürhunde und der Einsatz einer Wärmebildkamera halfen nicht.

Das Mädchen aus Nordbrandenburg war mit Mutter und Schwester an der Steilküste unterwegs, als sich etwa 3000 Kubikmeter Erdreich aus der über 30 Meter hohen Steilwand lösten.

An einer Stelle, an der in der Nacht Suchhunde angeschlagen hatten, waren die Rettungskräfte nicht fündig geworden. Bei der bis ins Wasser reichenden Suche gerieten die Helfer selbst in Gefahr, da weitere Teile der Steilküste am Kap Arkona im äußersten Norden Rügens abzubrechen drohten.

Am Montag hatten herabstürzende Schlamm- und Geröllmassen die Mutter und ihre beiden 10 und 14 Jahre alten Töchter erfasst. Die Mutter wurde schwer verletzt, die 14-Jährige erlitt leichtere Verletzungen. Beide kamen ins Krankenhaus. Von der Zehnjährigen fehlt noch jede Spur. Die Unglücksstelle ist weiträumig abgesperrt.

Die Steilküste am Kap Arkona mit seinem historischen Leuchtturm ist eines der beliebtesten Ziele für Strandspaziergänge auf Rügen. Auf Deutschlands größter Insel kommt es immer wieder zu unkontrollierten Abbrüchen an den Steilküsten im Norden und Osten.

Tourismusverband gegen komplette Absperrung

Trotz der dramatischen Folgen eines Felsabbruchs auf Rügen hält der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern nichts von einer grundsätzlichen Sperrung der Steilküsten. "Die Gefahren sind bekannt", sagte Verbandssprecher Tobias Woitendorf. Er bedauere das Unglück sehr und wünsche sich bessere Instrumente, um vor solchen Abbrüchen warnen zu können.

Die Steilküsten von Rügen blieben auch nach der Tragödie werberelevant für Mecklenburg-Vorpommern, sagte Woitendorf. "Wir haben sogar ein Motiv, auf dem ein abgebrochener Teil zu sehen ist." Trotz der Gefahren wollten viele Deutsche die Steilküste einmal gesehen haben. "So einen Ort können wir nicht wegschließen."

Nach tagelangen Regenfällen sei es an Rügens Steilküsten immer gefährlich, sagte der Verbandssprecher und mahnte Touristen und Einheimische zur Vorsicht, wenn sie an Steilküstenstränden Silvester feiern wollten. Wenn die genauen Ursachen des jüngsten Abbruches erforscht seien, müsse über das weitere Vorgehen nachgedacht werden, meinte der Verbandssprecher.

"Zwischen Wissenschaft und Behörden könnte es zur Vorwarnung einen noch engeren Schulterschluss geben", sagte Woitendorf. Auf der Insel kommt es immer wieder zu unkontrollierbaren Abbrüchen an den Steilküsten im Norden und Osten. Das Kap Arkona mit dem historischen Leuchtturm ist eines der beliebtesten Ziele auf Rügen.

( dpa/mk )