Kreditwürdigkeit

Moody's stuft Ungarn auf Ramschniveau herunter

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Die Ratingagentur Moody's bezweifelt, dass Ungarn seine Finanzen in Ordnung bringt: Die Bonität des Landes wurde um eine Stufe gesenkt.

Die US-Ratingagentur Moody's hat Ungarns Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau herabgestuft. Ungarische Staatsanleihen wurden von der Note Baa3 um eine Stufe auf Ba1 herabgesetzt, teilte Moody's mit. Die Agentur begründete den Schritt mit anhaltenden Zweifeln an der Fähigkeit des Landes, seine Finanzen nachhaltig in Ordnung zu bringen. Der Ausblick bleibe „negativ“.

Die ungarische Regierung kritisierte die Herabstufung. Der Schritt sei fachlich nicht zu begründen, hieß es in einer Erklärung des Wirtschaftsministeriums. Er sei ein Teil der „Finanzangriffe gegen Ungarn“. Ungarns Wirtschaft habe sich in den letzten anderthalb Jahren in den meisten Bereichen „trotz aller externen Schwierigkeiten“ in eine günstige Richtung entwickelt.

Die Leistungsbilanz weise einen Überschuss auf. Ungarns Wirtschaftswachstum habe im dritten Quartal das Wachstum in der EU und in der Euro-Zone überholt, hob das Ministerium hervor.

In den Haushalt für 2012 baue Ungarn Geldreserven ein, die 1,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsprächen. Diese Rücklage solle angesichts der Schuldenkrise in der Euro-Zone dafür sorgen, dass Ungarn weiter die Maastricht-Kriterien erfülle, selbst wenn die Wirtschaft weniger wachse als erwartet, hieß es weiter. Die Herabstufung der ungarischen Staatsanleihen war von den Ratingagenturen angedroht worden, nachdem die Staatsverschuldung vom zweiten bis zum dritten Quartal dieses Jahres von 75 auf 82 Prozent des BIP gestiegen war. Die Landeswährung Forint hatte sich im Devisen-Wechselkurs rasant entwertet.

Am Freitag verlor der Forint zum Euro 1,25 Prozent. In der Spitze mussten 317,20 Forint für einen Euro gezahlt werden; das bisherige Rekordtief von Mitte November liegt bei 317,72 Forint. Der ungarische Aktienmarkt geriet ins Trudeln, der Leitindex rutschte um knapp fünf Prozent ab. Auch am Anleihemarkt spiegelte sich der Vertrauensschwund wider: Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen aus Budapest zogen deutlich an.

Die Bond-Rendite stieg Händlern zufolge auf mehr als neun Prozent. So rentierten dreijährige Papiere um 9,1 Prozent und damit 70 Basispunkte höher als im späten Vortagesgeschäft. Fünfjährige Bonds warfen 9,3 (plus 60 Basispunkte) Prozent ab, zehnjährige 9,4 Prozent (plus 45 Basispunkte). Fünfjährige Kreditausfallversicherungen (CDS) auf ungarische Staatsanleihen verteuerten sich um 25 auf 613 Basispunkte. Der bisherige Rekordwert datiert vom März 2009 mit 625 Basispunkten.

Ungarn ersucht um finanzielle Hilfe

Erst vor wenigen Tagen hatte Ungarn den Internationalen Währungsfonds und die EU-Kommission deshalb um finanzielle Unterstützung im Kampf gegen die Finanzkrise gebeten . Im Gespräch ist ein Stand-by-Kredit von rund vier Milliarden Euro.

Die ungarische Regierung betonte, dass die Ersuchen um Hilfe „vorbeugend „ seien. Durch die Hilfeersuchen können IWF und EU nun offizielle Verhandlungen mit Budapest über eine Unterstützung aufnehmen. Ungarn gehört der Europäischen Union an, ist aber nicht Mitglied der Euro-Zone. Das Land steht an den Finanzmärkten seit Wochen unter Druck.

Die ungarischen Medien erwarten in Kürze ein konkretes Hilfeersuchen des Staates an den IWF. Man müsse schnell zu einer Übereinkunft kommen, mahnten die meisten Kommentatoren. Die konservative Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban versicherte mehrfach, dass sie die Neuverschuldung unter drei Prozent der Wirtschaftsleistung drücken wolle.

Am Vortag hatte die Ratingagentur Fitch bereits die Kreditwürdigkeit Portugals herabgestuft. Die Agentur bewertet das Land nun mit der Note "BB+" nach bislang "BBB-". Damit rutscht das Land in den Bewertungskategorien auf "Spekulations- oder Ramschniveau". Der Ausblick sei negativ, Portugal habe keinen Status als Investment-Land mehr. Die Ratingagentur begründete ihren Schritt mit den großen Ungleichgewichten im Haushalt, der hohen Verschuldung über alle Sektoren hinweg sowie einem ungünstigen konjunkturellen Ausblick.

( Reuters/AFP/dapddpa/mk/cat )