EM-Qualifikation

Sieg in der Türkei – Deutschland auf Rekordkurs

Die deutsche Nationalmannschaft hat im neunten EM-Qualifikationsspiel den neunten Sieg gefeiert. In der Türkei war am Ende sogar ein höherer Erfolg möglich.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Noch sind es acht Monate bis zur EM 2012 in Polen und der Ukraine. Doch schon jetzt dürfte das Selbstbewusstsein der deutschen Nationalspieler groß sein. In Istanbul unterstrich die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw einmal mehr, dass sie zu den Favoriten bei der Europameisterschaft gehört. Sie spielte zwar nicht berauschend, aber gewann in der Türkei mit 3:1 (1:0). Es war der neunte Sieg im neunten Qualifikationsspiel der Gruppe A. Zugleich war es der 50. Erfolg in der Ära von Joachim Löw, der seit Juli 2006 im Amt ist.

„Kompliment an die Mannschaft, sie hat dem Druck hier standgehalten“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. Eine Überraschung gab es vor dem Anpfiff. Neben Miroslav Klose (Bluterguss im Knie) musste auch Mesut Özil mit Problemen an der Achillessehne passen. Ausgerechnet der deutsche Spielmacher mit türkischen Wurzeln saß also nur auf der Tribüne

Es wäre sein erster Einsatz als deutscher Nationalspieler im Land seiner Vorfahren gewesen. Doch die Schmerzen waren zu groß. Noch am Freitagvormittag hatte Özil dem Bundestrainer angeboten, sich für einen Einsatz spritzen zu lassen. Aber der lehnte ab, um auch in Hinblick auf Özils Arbeitgeber Real Madrid kein Verletzungsrisiko einzugehen.

Einen kleinen faden Beigeschmack hatte der Ausfall von Özil dennoch. Im Vorfeld des Spiels hatten einige türkische Medien gemutmaßt, dass Özil möglicherweise kneifen wird – aus Angst vor Pfiffen der türkischen Anhänger. Im Hinspiel im Oktober 2010 war Özil in Berlin von den Türken bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen worden.

Gegen die Spekulationen, Özil würde absichtlich auf einen Einsatz verzichten, hatten sich die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vehement gewehrt. Aber zur einzigen Pressekonferenz in Istanbul am Tag vor der Partie hatten sie Özil trotz der Begehrlichkeiten auch nicht geschickt.

Trotz des Fehlen der Stammkräfte Özil und Klose spielte Deutschland im gewohnten 4-2-3-1-System. Also mit zwei „Sechsern“ vor der Vierkette und einem Dreier-Mittelfeld. Özil wurde von M ario Götze ersetzt, Klose von Mario Gomez. Bei den Türken hingegen fehlte Ömer Toprak. Für den Verteidiger von Bayer Leverkusen, der sich vor 14 Tagen entschieden hatte, für die Türkei und nicht für Deutschland zu spielen, lag keine Spielgenehmigung vor.

Die Türken übernahmen vom Anpfiff weg die Initiative. In der 5. Minute hatte Hamit Altintop bereits die Chance zum 1:0. Doch der frühere Münchner schoss links vorbei. Die deutsche Abwehr, schon in den vergangenen Länderspielen die Problemzone, hatte sich beim Pass von Selcuk Inan auf Altintop wieder mal indiskutabel verhalten. Es war nur eine kurze Druckphase der Türken. Zur allgemeinen Verwunderung im Stadion. Immerhin standen die Gastgeber im Kampf um den zweiten Gruppenplatz unter Zugzwang.

Die deutsche Elf spielte zunächst nicht viel besser. Ihr war anzumerken, dass es in diesem Spiel um nichts mehr für sie ging. Dem Bundestrainer gefiel der Auftritt jedenfalls nicht. Als seine Abwehr beim Schuss von Incan (28.) erneut patzte, sprang er wütend von seinem Sitz auf.

Löws emotionaler Ausbruch an der Seitenlinie hatte die Wirkung eines Weckrufs. Kurz danach gelang seiner Mannschaft mit dem ersten Torschuss in diesem Spiel das 1:0. Nach einem langen Ball von Holger Badstuber umkurvte Gomez seinen Gegenspieler und traf ins lange Eck (35.).

Nach dem Seitenwechsel brachte der türkische Nationaltrainer Guus Hiddink Gökhan Töre. Vom offensiven Mittelfeldspieler des Hamburger SV erhoffte sich der Coach mehr Druck im Spiel nach vorn. Die erste Chance in der zweiten Halbzeit hatten aber die Deutschen. Torhüter Volker Demirel lenkte einen Schuss von Gomez in der 55. Minute zur Ecke. Kurz danach schoss Thomas Müller links am Tor vorbei. In der 65. Minute aber traf der Münchner dann ins Tor. Nach Vorlage von Götze erzielte Müller das 2:0.

Die Türkei muss nach der Niederlage nun wieder um die EM-Teilnahme zittern. Belgien liegt nach dem Sieg über Kasachstan nun auf dem zweiten Platz.

Mittelfeldspieler Sami Khedira sagte: „Man hat gesehen, dass wir die drei Punkte unbedingt wollten. Es war am Ende ein verdienter Sieg.“ Torschütze Thomas Müller sagte zu dem zwischenzeitlichen 1:2 von dem gebürtigen Berliner Hakan Balta (79.): „Scheinbar war ich beim Gegentor ein Tick zu faul. Das geht auf mich. Aber ich bin froh, dass wir in den letzten zehn Minuten noch eine Schrippe drauflegen konnten.“

Für den letzten Treffer sorgte Bastian Schweinsteiger per Foulelfmeter (86.). Torwart Neuer sagte: „Wir haben uns vorgenommen, alle zehn Spiele zu gewinnen. Neun haben wir geschafft, jetzt fehlt noch ein Erfolg am kommenden Dienstag gegen Belgien.“