Neue Geschäftsfelder

Solarstrom könnte Griechen vor der Pleite bewahren

Der Export von Solarstrom könnte viel Geld in die griechischen Kassen spülen. Deutsche Firmen wollen Aufbauhilfe leisten.

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Das von der Staatspleite bedrohte Griechenland kann nach Einschätzung des Chefs des Bonner Solarmodul-Herstellers Solarworld, Frank Asbeck, in der Photovoltaik bis 2020 einen Sprung nach vorne schaffen.

„Das sind keine Fantasien“, sagte Asbeck am Rande des Besuchs von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) in Athen. Asbeck forderte die griechische Regierung auf, durch die Freigabe von Flächen für Solaranlagen – etwa ausgeschöpfte Braunkohlegebiete - Investoren zu unterstützen.

Die EU-Kommission könne bei der Finanzierung helfen. Brüssel sollte nicht genutzte Strukturmittel in Milliardenhöhe für erneuerbare Energien im sonnenreichen Griechenland zur Verfügung stellen. Bei passenden Rahmenbedingungen könne sich Solarworld vorstellen, vor Ort eine Produktion von Solarmodulen aufzubauen und Arbeitsplätze zu schaffen.

Mit griechischer Sonne gegen Konkurrenz aus China

„Wir wollen keine Förderprogramme für chinesische Hersteller“, sagte der Vorstandschef des im TecDax notierten Unternehmens mit Blick auf die mächtige Konkurrenz aus Fernost, die deutschen Solarfirmen mit Niedrigpreisen immer stärker zu schaffen macht.

Bis 2020 sei es möglich, dass die Griechen einen Drittel ihres Stromverbrauchs aus Photovoltaik deckten. Allerdings sei die Einspeisevergütung – mit der griechische Verbraucher wie in Deutschland über den Strompreis den Ausbau der Öko-Energien bezahlen – zu hoch. „Sie müsste um ein Drittel reduziert werden, damit es wirtschaftlich wird.“

Auch könne Griechenland künftig Sonnenstrom exportieren. Durch technische Umrüstungen könnten bis zu 10 Gigawatt über Anschlüsse an die Stromnetze in Mazedonien und Italien nach Europa fließen. Asbeck, der bereits vor 30 Jahren erste Geschäfte mit Griechenland machte, lobte die Hellenen als gute Partner. „Ich habe keine administrativen oder finanziellen Probleme mit den Griechen.“

Rösler trifft Regierungschef Papandreou

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler trifft im Rahmen seiner Griechenland-Reise den griechischen Regierungschef Giorgos Papandreou. Bei dem Gespräch wird es, wie auch bei einer nachfolgenden Unterredung mit Finanzminister Evangelos Venizelos, um die Bewältigung der tiefen Schuldenkrise in dem Land gehen.

Im Mittelpunkt stehen dabei mögliche Wege, mit Hilfe deutscher Investoren Griechenland wieder wirtschaftlich auf die Beine zu helfen. Rösler sieht seine Reise mit einer großen Wirtschaftsdelegation als „starkes Signal“ für die Bereitschaft deutschen Wirtschaft, sich stärker zu engagieren.

Der FDP-Chef forderte zu Beginn seines Besuches aber die Umsetzung von Reformen, um Investoren bessere Rahmenbedingungen zu bieten. Rösler erklärt, Ziel sei es, jedes Euro-Land in der Währungsgemeinschaft zu halten.

Zugleich hatte er deutsche Unterstützung für den Aufbau einer Förderbank nach dem Vorbild der deutschen KfW angeboten . Über die könnten Investoren aus dem In- und Ausland Finanzierungen für Investitionsprojekte in dem Land angeboten werden.

Dafür möchte Rösler nicht abgerufene Strukturfonds-Mittel der EU einsetzen. Röslers griechischer Kollege Michalis Chrysochoidis bekundete Reformbereitschaft. Niemand werde Griechenland unterstützten, wenn es nicht diese Fähigkeit zur Abkehr von alten Wegen zeige.