Bus-Geschäft

Bahn sucht Anschluss im Osten Deutschlands

Wegen sinkender Schülerzahlen bröckelt das Bus-Geschäft der DB in Westdeutschland. Im Kampf gegen den Schwund setzt der Konzern auf den Osten.

Foto: DB Systel GmbH

Wären fünf Kinder wie bei Familie Hahn deutscher Standard, hätte Vater Michael Hahn einen deutlich leichteren Job. Viele Kinder bedeuten volle Schulbusse – und der Schülerverkehr in ländlichen Regionen ist für Hahn, Leiter der Bussparte der Deutschen Bahn (DB), eine der wichtigsten Einnahmequellen.

Aber die Hahns sind nicht Standard – die Zahl der Kinder sinkt und damit die der Schüler. Und als ob das nicht reicht, hat Michael Hahn noch ein weiteres Problem: In Westdeutschland, wo die roten Bahnbusse besonders stark vertreten sind, werden bis zum Jahr 2019 praktisch alle Busverkehrsleistungen neu ausgeschrieben. „Wir müssen mit Einbrüchen rechnen, werden im Westen Marktanteile verlieren. Ohne Federn zu lassen kommen wir da wohl nicht raus“, sagt Hahn.

Aber natürlich hat Hahn ein Konzept gegen den Schwund von Passagieren und Einnahmen, sonst wäre er in diesem Jahr nicht als Bus-Chef der DB angetreten. Die Ausgangslage ist dabei wie folgt: Die Bussparte der Bahn, mit täglich 150.000 Verbindungen größter deutscher Busanbieter, hat in den alten Bundesländern einen Marktanteil von rund 70 Prozent. Bis vor einigen Jahren war der Westen für die Bahnbusse, salopp gesagt, eine sichere Bank.

Konkurrenz verschärft sich

Denn ausgeschrieben, also im Wettbewerb vergeben, wurden die Verkehre so gut wie nie. 2005 lag die Quote der Vergaben bei einem Prozent, das war gut für die Bahn. Seit 2010 sind es allerdings bereits zehn Prozent. Die Bahn muss damit rechnen, dass weitere Anbieter versuchen, mit Kampfpreisen Marktanteile zu erringen.

Noch ist der Wettbewerb im Westen überschaubar, aber der DB-Konzern spürt ihn bereits schmerzhaft. „Seit 2007 ist die Marge im regionalen Busgeschäft der Bahn rückläufig. 2010 lag unsere Marge bei 4,5 Prozent, wir machen also noch Gewinn.

Aber wenn der Trend so steil weitergeht wie in den vergangenen Jahren, sind wir bald bei null. Das kann ganz kippen“, sagt Michael Hahn. Bei manchen Konzessionen fährt der Konzern bereits rote Zahlen ein. „Das hat man früher hingenommen. Da war Marktanteil an sich ein Wert“, sagt der Bus-Chef. „Heute können wir uns das nicht mehr leisten. Denn inzwischen können wir die verlustreichen Verkehre nicht mehr so leicht durch Gewinnbringer auffangen.“

Die Folge davon werde sein, dass die Bussparte der Bahn künftig nicht mehr automatisch wie früher für alle Konzessionen im regionalen Busverkehr bieten werde, kündigt Hahn an. Das heißt, manche Kommune wird sich mühen müssen, überhaupt einen Busanbieter zu finden – und die Bahn-Busparte muss neue Einnahmequellen erschließen. „Insgesamt sehen ich vier Möglichkeiten, mögliche Rückgänge in Westdeutschland kompensieren zu können.

Partnerschaften mit Kommunen vorantreiben

Durch neue Verkehre im Osten und in größeren Städten, wo wir bislang nicht so stark vertreten sind. Durch Angebote wie Freizeitfahrten oder Verkehre für Dritte wie die britischen Streitkräfte. Und zuletzt durch Verkauf unseres Know-hows in diesem Geschäft, beispielsweise bei der Installation von regionalen Busleitsystemen.“

In Ostdeutschland hat die DB Regio Bus Wachstumschancen, ihr Marktanteil dort liegt bei knapp zehn Prozent. Anders als im Westen befinden sich die regionalen Busgesellschaften dort meist in Händen der Landkreise. Die Bahn ist dort bislang nur mit drei Anbietern aktiv. Diese Position will Hahn ausbauen.

Daneben setzt der Bus-Chef darauf, bundesweit neue Verkehre in den Großstädten zu gewinnen – auch dort ist die DB-Sparte bislang nicht besonders stark. „Ich sehe gute Chancen, in das Busgeschäft der Städte einzusteigen. Selbst wenn dort weiterhin direkte Vergaben möglich sind“, so Hahn. Die Bereitschaft der Städte, die Bahn gegenüber den Stadtwerken zu bevorzugen, wird beschränkt sein.

Aber es gibt auch die Möglichkeit der Kooperation. „Wir arbeiten an einer Ausweitung von Partnerschaftsmodellen mit den Kommunen, von Public Private Partnerships auf Augenhöhe. Das wäre vor allem eine Lösung in den alten Bundesländern, dort gibt es so etwas noch nicht“, erklärt Hahn.

DB Bus betreibt bereits verschiedene Formen von Kooperationen mit kommunalen Verkehrsunternehmen. Das reicht von der Werkstattkooperation bis zur Gemeinschaftskonzession. „Wir wollen aber stärker auch Partner in der Eigentümerstruktur sein“, sagt Hahn.