Formel 1

Vettels Rekordjagd endet in der ersten Runde

| Lesedauer: 4 Minuten

In Abu Dhabi wurde Sebastian Vettel 2010 erstmals Weltmeister. Dieses Jahr hatte er weniger Glück – und kann nun Schumachers Siegrekord nicht mehr einstellen.

Knapp zwei Stunden, dann fand Sebastian Vettel endlich ein paar Worte. Zwischendurch sah er so verzweifelt aus wie seit über einem Jahr nicht mehr, als in Südkorea der Motor in seinem Red Bull geplatzt war. Dazwischen lagen 385 Tage und 19 Rennen. Jetzt also Abu Dhabi 2011: Vettel in der Garage mit halb geöffneten Visier auf sein Lenkrad schlagend, mit rundem Rücken vor einem Datenmonitor kauernd, sich buchstäblich die Haare raufend. Sogar dem meist unterkühlt wirkenden Bernie Ecclestone, Chefvermarkter der Formel 1, schienen die Posen des Weltmeisters unter die Haut zu gehen. Er begab sich zum Champion in die Garage, flüsterte ihm etwas ins Ohr und tätschelte den deutschen Starfahrer. Vor einem Jahr war Vettel am Persischen Golf zum Champion gekürt worden, am Sonntag musste er nach einer Runde seinen Red Bull in der Box abstellen.

Vettel und sein Rennstall machten ein Staatsgeheimnis aus der Ursache für den Defekt, der den Weltmeister aus der zweiten Kurve nach Rennstart katapultiert hatte. RTL-Experte Niki Lauda recherchierte im Motorhome von Red Bull wenig Erbauliches: Ihm ist „halt das Rad eingegangen“. Vor der Fernsehkamera sagte Vettel schon wieder etwas entspannter: „Viel mehr als das, was jeder sieht, wissen wir auch nicht.“ Er versuchte vergeblich, seinen Wagen noch bis zum nächsten Reifenwechsel zu retten, aber selbst eine Schleichfahrt war nicht schonend genug. „Es ist ein bisschen schwer, sich den Reifen anzuschauen, weil der überall verteilt ist. Auf der Hälfte der Strecke ist er auseinander gerissen, und die Aufhängung hat es auch zerlegt.“ Auch die Mechaniker konnten nichts mehr für den demolierten Red Bull tun.

Es herrschte Grabesstimmung im Weltmeisterteam, dabei war ein Ausfall für Vettel selten verschmerzbarer als am Sonntag. Seit dem Rennen in Suzuka steht er schließlich schon als Weltmeister fest, ein Rennen später fiel die Entscheidung bei den Konstrukteuren zugunsten des österreichischen Teams.

War es nur der ungestillte Wissensdurst darüber, was da genau schiefgelaufen war im Hause des Reifenlieferanten Pirelli oder doch im eigenen Team? War tatsächlich nur der Reifen geplatzt oder die Felge gebrochen? Oder dachte er an die fehlenden Kilometer für die Vorbereitung auf die kommende Saison? Oder wurmte ihn doch, dass er die Jagd nach Schumachers Rekorden nun doch vorerst einstellen muss, nachdem er am Samstag den Rekord mit den meisten Pole Positionen in einem Jahr (14) von Nigel Mansell eingestellt hatte ?

Jedenfalls bleibt die Marke von 13 Siegen des Rekordweltmeisters (sieben Titelgewinne) in einer Saison nach diesem Ausfall für Vettel unerreichbar. Einer wie er möchte immer gewinnen. „So etwas ärgert einen schon“, grummelte er. „Das Auto war schnell genug, um vorn mitzufahren.“

2009 gewann Sebastian Vettel in Abu Dhabi zum ersten Mal, 2010 wurde er an gleicher Stelle zum Weltmeister gekrönt. „Es ist eine Ironie, dass es ausgerechnet hier passiert“, entfuhr es Teamchef Christian Horner. Immerhin gewann sein Pilot neue Eindrücke bei dessen Gastauftritt am Kommandostand. „Ich wollte nur fünf Runden bleiben. Es war aber für mich interessant, weil ich mal einen Einblick von außen in die Strategie des Teams hatte.“ Mark Webber, Vettels australischer Teamkollege, wurde immerhin Vierter.

Die sonst zu Statisten degradierten Konkurrenten konnten aus der ungewohnten Konstellation im Wüstenstaat Kapital schlagen. Den Sieg holte sich Lewis Hamilton im McLaren vor Ferrari-Mann Fernando Alonso und Jenson Button im zweiten McLaren.

Die anderen deutschen Piloten schlugen sich im Mittelfeld recht ordentlich. Michael Schumacher, sein Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg und Force-India-Fahrer Adrian Sutil lieferten sich einen Dreikampf um einen Platz hinter den Spitzenpiloten. Nachdem Sutil, der noch immer um ein Cockpit bei seinem Team im nächsten Jahr zittern muss, Schumacher durch einen taktisch geschickt gezirkelten Boxenstopp passiert hatte, holte sich der siebenmalige Champion beim letzten Reifenwechsel seine Position vor Sutil zurück. Am Ende wurde der 42-Jährige Siebter, Sutil kam als Achter ins Ziel.

Bester Deutscher war Nico Rosberg , der wenige Tage nach seiner Vertragsverlängerung Platz sechs belegte. Timo Glock kam im Marussia-Virgin auf den 19. Platz.

( du )