MF Global

Wall-Street-Bank verzockt sich mit Italien-Anleihen

Der Wertpapierhändler und Anleihenspezialist MF Global verliert Geld mit europäischen Anleihen und meldet Insolvenz an. Auch die Deutsche Bank ist betroffen.

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Die Pleite des US-Wertpapierhändlers MF Global bringt dessen schillernden Chef Jon Corzine in Bedrängnis. Das Unternehmen beantragte am Montag Gläubigerschutz, wie aus Unterlagen der zuständigen New Yorker Justizbehörden hervorgeht. Unter Corzine hatte MF Global zuletzt ausgiebig in europäische Staatsanleihen investiert – und ist damit das erste US-Unternehmen, das der Euro-Krise zum Opfer gefallen ist.

Seit März 2010 ist der heute 64-jährige Corzine Chef der Gesellschaft. Zuvor war er seit 2006 Gouverneur des US-Bundesstaats New Jersey. An der Wall Street hatte er sich zu dieser Zeit schon einen Namen gemacht: In den 90er Jahren war Corzine Präsident der Großbank Goldman Sachs. Er gilt als Spezialist – ausgerechnet – auf dem Anleihemarkt, der sein Unternehmen nun ins Wanken brachte.

MF Global hatte den Behörden zufolge riskante Wettgeschäfte mit europäischen Schuldpapieren abgeschlossen. Für rund 6,3 Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro) kaufte das Unternehmen Staatsanleihen in der Hoffnung, dass diese an Wert zulegen würden. Mehr als die Hälfte des Geldes steckte das Unternehmen den Angaben zufolge in Papiere aus Italien und Spanien – Länder, die an den Finanzmärkten immer noch stark unter Druck stehen.

Doch nicht nur die Fehlspekulation mit dem eigenen Geld könnte Corzines Image nachhaltig schädigen. Der „New York Times“ zufolge entdeckten Regulierungsbehörden am Wochenende in den Büchern von MF Global ein enormes Finanzloch. Kundengelder in Höhe von rund 700 Millionen Dollar sind demnach verschwunden. Derzeit laufe eine Untersuchung, die klären soll, ob das Unternehmen das Geld seiner Kunden genutzt hat, um damit im eigenen Namen Geschäfte zu machen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf informierte Kreise. Die Behörden untersuchen demnach, ob MF Global das Geld seiner Kunden investierte , um damit den eigenen Niedergang noch abzuwenden.

An der Wall Street wurde der Handel mit Aktien des Unternehmens am Montag ausgesetzt. Wie MF Global selbst bestätigte, entzog ihm die US-Notenbank Fed außerdem den Status als „Primary-Händler“, also die Berechtigung, direkt mit der Fed Geschäfte zu machen.

Auswirkungen der Pleite bekommt eventuell auch die Deutsche Bank zu spüren. Die Deutsche Bank taucht als Nummer zwei nach der US-Bank JPMorgan Chase auf der Liste der Gläubiger auf. Allerdings ist die Bank dabei nicht als wirtschaftlicher Eigentümer der Papiere betroffen, sondern hat diese lediglich als Treuhänder für dritte gegenüber MF Global verwaltet. Wie viel eigenes Geld die Deutsche Bank dabei eingesetzt hat, wollte ein Sprecher nicht mitteilen.

Beobachter erwarten nicht, dass eine Pleite des Börsenhändlers zu so weitreichenden Folgen führt wie der Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers vor gut drei Jahren. MF Global gilt als international nicht so stark vernetzt wie es die Lehman-Bank war.