Mordfall Dennis

Maskenmann – "Ich bin entsetzt über meine Taten"

Mit Spannung wurde die Erklärung des mutmaßlichen Kindermörders Martin N. vor Gericht erwartet: Er gestand Morde, sexuelle Übergriffe und zeigte "tiefe Scham und Reue".

Der als "Maskenmann" bekannt gewordene mutmaßliche Kindermörder Martin N. hat vor dem Landgericht Stade drei Morde und einige Missbrauchsfälle gestanden.

"Ich bin entsetzt über meine Taten und empfinde tiefe Scham und Reue", heißt in einer von seinen Verteidigern verlesenen Erklärung.

Seine Erklärung war mit Spannung erwartet worden, am Ende dauerte sie nicht einmal zehn Minuten. Regungslos verfolgte Martin N., wie seine Anwälte kurz sein Leben schilderten und dann das Geständnis wiederholten, das er kurz nach seiner Festnahme in Hamburg bei der Polizei abgegeben hatte.

Danach hatte er 1992 den 13-jährigen Stefan, 1995 den achtjährigen Dennis R. und 2001 den neunjährigen Dennis K. umgebracht – aus Angst entdeckt zu werden, wie er sagt. Der aus Bremen stammende Pädagoge ist auch wegen 20 Missbrauchsfällen angeklagt. Die Polizei hatte den mutmaßlichen Serientäter im April geschnappt.

"Es gibt für mein Handeln keine Entschuldigung"

Stefan entführte er der Anklageschrift zufolge nachts aus einem Internat in Scheeßel, missbrauchte ihn im Auto und tötete ihn dann. Dennis R. holte er drei Jahre später aus einem Zeltlager bei Schleswig, verbrachte mit ihm einige Tage in einem Ferienhaus in Dänemark und erwürgte ihn.

Dennis K. tötete er 2001 in einem Schullandheim bei Bremerhaven, als dieser sich gegen den mit einer schwarzen Maske getarnten Mann wehrte.

"Es gibt für mein Handeln keine Entschuldigung", ließ Martin N. seine Verteidiger erklären.

Über Jahre drang der "Maskenmann" nachts immer wieder in Kinderzimmer und Ferienlager in Norddeutschland ein und vergriff sich an den schlaftrunkenen Jungen. Die Polizei jagte lange Zeit vergeblich das Phantom. Erst im Frühjahr 2011 – fast 20 Jahre nach seinem ersten Mord – konnte sie ihn schließlich schnappen.

Für die Mutter von Dennis K. kam damit die schreckliche Zeit, als sie im September 2001 zwei Wochen lang um ihren verschwundenen Sohn bangte, wieder hoch. "Ich war im Schockzustand", erzählt sie im Gerichtssaal. Dass ihr Sohn nachts aus dem Schullandheim getürmt sei, habe sie damals nie geglaubt. "So ein Typ war er nicht." Er war ein ruhiger Junge, spielte gerne Fußball.

Ungeklärte Frage nach dem "Warum"

Lange Zeit nahm die heute 41-Jährige Tabletten und wurde psychologisch betreut. Als die Polizei Martin N. endlich fasste, erzählte sie ihrer elfjährigen Tochter die ganze Geschichte. Das Mädchen war damals ein Jahr alt. An ihren Bruder kann sie sich nicht erinnern. "Sie hat gefragt: "Warum?", was ich ihr auch nicht erklären kann", sagt Dennis' Mutter. Eine Antwort blieb Martin N. schuldig.

Sein Geständnis vor Gericht wird den Prozess nach Ansicht der Staatsanwaltschaft beschleunigen. Dadurch könnte einigen Opfern und Zeugen die Aussage erspart bleiben, sagte Sprecher Kai Thomas Breas.

Die Behörde prüft derzeit, ob sie einen weiteren Missbrauchsfall aus den Jahren 2002 bis 2004 nachträglich angeklagt oder das Opfer als Zeuge lädt. Der junge Mann hatte sich erst nach der Anklageerhebung an die Ermittler gewandt.

Das könnte bei der Frage nach einer Sicherungsverwahrung eine Rolle spielen. Denn der jüngst bekanntgewordene Fall könnte ein Beleg dafür sein, dass Martin N. noch immer gefährlich ist.