Razzia

EU verdächtigt Großbanken der Zinsmanipulation

Europäische Banken sollen laut EU Zinssätze abgesprochen haben. Sie durchsuchte mehrere Institute, darunter wohl auch die Deutsche Bank.

Die EU-Kommission hat wegen des Verdachts auf Kartellverstöße mehrere auf dem Derivate-Markt tätige Unternehmen durchsucht. Es werde vermutet, dass es im Zusammenhang mit dem Euribor-Zins zu einem Marktkartell gekommen sei, teilte die Kommission mit. Namen der betroffenen Unternehmen oder Länder nannte die EU-Behörde nicht.

Beim Euribor (European Interbank Offered Rate) handelt es sich um den Zinssatz, den europäische Banken untereinander beim Handel von Einlagen mit einer festgelegten Laufzeit von einer Woche bis 12 Monate verlangen. Er ist einer der wichtigsten Referenzzinssätze. So werden die Euribor-Werte unter anderem als Berechnungsgrundlage für andere Zinsprodukte wie etwa Swaps oder Futures genutzt.

Auch die Londoner Niederlassung der Deutschen Bank wurde Finanzkreisen zufolge durchsucht. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte, die Ermittler seien auch beim deutschen Branchenprimus gewesen. Zuvor hatte das "Wall Street Journal" bereits berichtet, dass die EU-Kommission Dokumente zahlreicher großer Banken beschlagnahmt habe. Die genaue Anzahl der betroffenen Finanzinstitute sei noch unklar, berichtete die Zeitung unter Berufung auf mit den Ermittlungen vertraute Personen.

Die europäische Bankenbranche hat der EU-Kommission ihre Zusammenarbeit bei den Ermittlungen zugesagt. Die Bankenorganisation Euribor-EBF teilte mit, sie sei bereit, den Ermittlern die gewünschten Daten zur Verfügung zu stellen. Die Organisation äußerte sich zuversichtlich, dass es bei der Bildung des Euribor-Zinses keine Unregelmäßigkeiten gegeben habe.

Allein die große Anzahl der beteiligten Banken mache Manipulationen des Zinssatzes unmöglich. Euribor-EBF ist einer Unterorganisation des Europäischen Bankenverbands und errechnet auf Basis der Informationen von 44 europäischen Banken den Euribor-Zinssatz.