Historisches Artefakt

Diebe schicken Genscher gestohlenen Füller zurück

Wertvolle Füller haben Unbekannte aus dem Haus von Hans-Dietrich Genscher gestohlen. Mit einem hatte er den Maastricht-Vertrag unterzeichnet. Nun bekam die Polizei Post.

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Große Freude bei Hans-Dietrich Genscher: Nach mehreren Monaten schickten unbekannte Einbrecher wertvolle gestohlene Füller des früheren Bundesaußenministers zurück.

Darunter war auch der Füllfederhalter, mit dem Genscher seine Unterschrift 1992 unter den Maastricht-Vertrag setzte. Insgesamt seien der Mannheimer Polizei in einer anonymen Briefsendung fünf hochwertige Genscher-Füller zugeschickt worden, bestätigte ein Polizeisprecher einen Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers".

Die Schreibgeräte wurden zur kriminaltechnischen Untersuchung an das Landeskriminalamt Baden-Württemberg weitergeleitet und sollen in diesen Tagen von der Mannheimer an die Bonner Polizei übergeben und dann wieder dem Eigentümer zurückgegeben werden. Weshalb das Diebesgut an eine Polizeistelle in Mannheim geschickt worden war, ist unklar.

Diebe waren im März dieses Jahres in das Privathaus von Genscher und seiner Frau Barbara in Wachtberg-Pech bei Bonn eingebrochen. Entwendet wurden neben den Füllern unter anderem noch ein Teppich und eine Münzsammlung. Mit dem Maastricht-Füller hatte Genscher am 7. Februar 1992 in Maastricht das Vertragswerk für die Europäische Union unterzeichnet. Ort und Datum sind in dem schwarzen Füller in goldener Farbe eingraviert.

Zunächst hatte es geheißen, dass auch der Füllfederhalter, mit dem Genscher 1990 in Moskau den Zwei-plus-Vier-Vertrag unterschrieben hatte, entwendet worden sei. Tatsächlich hatten die unbekannten Diebe dieses Schreibgerät aber verschmäht – möglicherweise konnten sie mit dem Hinweis "2+4" auf einem Umschlag nichts anfangen.

Der Vertrag zwischen dem damals noch geteilten Deutschland und den vier Siegermächten des Zweiten Weltkriegs bildete die Grundlage für die spätere Wiedervereinigung Deutschlands.